Ukraine: Kolomojskij wegen Betrugsverdachts angeklagt

Kiew. Nach seiner Festnahme vor wenigen Tagen ist der ukrainische Oligarch Igor Kolomojskij wegen Betrugsverdachts angeklagt worden. Die Ermittler hätten den ehemaligen Förderer von Präsident Wolodimir Selenskij darüber informiert, dass er verdächtigt werde, Gelder einer Bank in Höhe von mehr als 9,2 Milliarden Griwna (233 Millionen Euro) veruntreut zu haben, erklärte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag.
Ohne Kolomojskij namentlich zu nennen, verwies die Staatsanwaltschaft in ihrem Schreiben auf den »ehemaligen Leiter der Region Dnipro« und Begünstigten der Bank zum Zeitpunkt der Tat im Jahr 2015. Die Anklageschrift sei dem Gericht übermittelt worden, hieß es weiter. Demnach müssen sich außer Kolomojskij fünf weitere Verdächtige in dem Fall vor Gericht verantworten.
Der Geschäftsmann war am Sonntag wegen dem Vorwurf des Verdachts auf Betrug und Geldwäsche festgenommen worden. Den bisherigen Ermittlungen zufolge arbeitete er zwischen Januar und März 2015 »einen Plan zur Beschlagnahme von Geldern« der »PrivatBank« aus, der größten Bank der Ukraine. Der Milliardär war vor der Verstaatlichung der PrivatBank im Jahr 2016 Miteigentümer der Bankengruppe. Die ukrainische Zentralbank hatte ihn zuvor beschuldigt, vor der Verstaatlichung 5,5 Milliarden US-Dollar (5,1 Milliarden Euro) aus der PrivatBank abgeschöpft zu haben.
Der Milliardär ist einer der reichsten Männer der Ukraine, mit Beteiligungen in zahlreichen Wirtschaftsbereichen, unter anderem in der Medienbranche, der Luftfahrtindustrie und dem Energiesektor. Selenskij war 2019 insbesondere mit Hilfe von Kolomojskijs Medienimperium gewählt worden. Ihm gehörte damals der Fernsehsender, in dem der Präsident als Komiker auftrat und bekannt wurde. (dpa/jW)
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