NATO, RAF und Pflaumen im Korb
Von Christof Meueler
Franz Josef Degenhardt: Brandstellen. Roman, 200 Seiten, Verlag Kulturmaschinen
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Der war gelernter Rechtsanwalt und zeichnet Kappel als arroganten linksliberalen Anwalt, voller Zynismus und Sexismus im BMW, der kathartische Momente erlebt, als er seinen Geburtsort besucht. Er sucht seine frühere Freundin, die nun bei der RAF ist, verliebt sich aber in eine junge Frau, eine fast schon heilige Kommunistin, die auch noch Maria heißt und Kappel wieder auf die Füße stellt. Er wirkt ein bisschen wie einer dieser fertigen Privatdetektive der »Schwarzen Serie«, nur dass er im Ruhrgebietskaff die Wirkmächtigkeit linker Strategien untersucht.
Vor Ort soll ein NATO-Truppenübungsplatz gebaut werden. Hierfür muss ein Campingplatz weichen, was eines dieser berühmten breiten Bündnisse aus SPD, DKP, Gewerkschaften und Jugendgruppen verhindern will. Es wird viel diskutiert. Zudem liefert Degenhardt essayistische Skizzen von Boheme und Bourgeoisie, denen er eine proletarische Gemütlichkeit entgegenstellt. Er verwahrt sich gegen den Hass auf »das gemeine Volk«, hinter dem sich meist Autoritarismus versteckt. Bei Degenhardt geht es um helle Kneipen und dunkle Kneipen, um Entspannung draußen auf dem Land vor einem »Spankorb voll Pflaumen«. Es wird auch gerne schwimmen gegangen. Und neben der ganzen Lebenspracht thematisiert er die in dieser Gesellschaft stets verleugneten Klassenstrukturen, immer wieder.
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