Ein Demokratieproblem
Von Christina SchenkChristina Schenk,
Ex-PDS-Bundestagsabgeordnete:
Die Linke hält sich die Fähigkeit zu respektloser Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse zugute, übersieht dabei jedoch allzu gern die Dominanz- und Unterordnungsverhältnisse zwischen Männern und Frauen. Geschlechterverhältnisse kommen lediglich als Nebenprodukt des Kapitalismus und als Frauenfrage daher. So werden Geschlechterverhältnisse und ihre Veränderung auf ein soziales Hilfeprojekt reduziert. Die Beteiligung der Männer an ihnen bleibt, wie praktisch, unangetastet.
Wer eine Demokratisierung der Geschlechterverhältnisse will, darf Männer nicht länger verschonen oder ihnen mit moralisierenden Appellen kommen. Die Benachteiligung von Frauen ist schließlich nicht nur Ergebnis einer männlichen Verschwörung, sondern vor allem Resultat harter gesellschaftspolitischer Fakten. Frauenfragen sind immer zugleich Männerfragen. So muß es beispielsweise in der Familienpolitik darum gehen, die traditionelle häusliche Arbeitsteilung aufzuknacken. Die »Verhaltensstarre der Männer bei gleichzeitiger verbaler Aufgeschlossenheit« (U. Beck) ist dabei das Hauptproblem. Hinzu kommt, daß weder die Gruppe der Männer noch die der Frauen frei von Hierarchien ist. Die daraus entstehenden Macht- und Gewaltstrukturen ist der herkömmliche Feminismus außerstande zu sehen. Frauen sind nicht mehr nur Opfer, Männer nicht nur Täter. Ein neuer Ansatz ist also nötig. Die Linke muß endlich lernen, die Geschlechterverhältnisse als Demokratieproblem zu begreifen. Hierfür sollte die jW ein Diskussionsforum bieten.
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