Dein roter Faden in wirren Zeiten
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Aus: Ausgabe vom 03.04.2025, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Fahrt in die Barbarei

Zu jW vom 27.3.: »Bahn neben der Spur«

Das »Verdienst« aller ungelernten Eisenbahner, die als »Bahnexperten« dem Management vorstehen, sind die zahlreichen Versuche, durch Schrumpfen wachsen zu wollen. Mit homöopathischen Mitteln wird versucht, das »Multiorganversagen« der DB zu verhindern. Nach dem Ende der DDR war es bald vorbei mit einem flächendeckenden ÖPNV. Dank dem höheren Kapitalumschlag beim Individualverkehr wurden viele Gütertransporte von der Schiene auf die Straße verlegt und (nicht nur) die Bahn auf Verschleiß gefahren. Das Finanzkapital sucht in der Rezession verstärkt nach anderen Betätigungsfeldern für Profite und entdeckt die Infrastruktur neu. Auf die Krise des Überflusses kennt der Kapitalismus nur eine Antwort: Kriegsproduktion und panzertaugliche Brücken. Digitalisierung der Infrastruktur birgt Risiken. Mit einem einzigen elektronischen Stellwerk kann der Zugverkehr großer Gebiete gesteuert werden. Bei Ausfall kommt es zu umfangreichen Störungen, die der »Verteidigungsfähigkeit« entgegenstehen. Die Folge ist Zurückhaltung bei zukünftiger Digitalisierung. Eine »Bahn für alle« ist dann von Nutzen, wenn sie den wahren Bedürfnissen der Menschen gerecht wird, doch realisiert werden zunehmend Militärtransporte auf der Schiene Richtung Osten, wobei oft Vorrang vor anderen Zügen eingeräumt wird – als Teil der NATO-Drehscheibe. (…)

Uwe Joachim, Pasewalk

»Ab Halle dann SEV«

Zu jW vom 29./30.3.: »DB zerschlägt sich selbst«

Super Artikel! Ein Anekdötchen aus dem Alltag der Bahn: Am vergangenen Freitag hatte ich den abwegigen Gedanken, von Aschersleben aus zur Buchmesse zu fahren. Gedacht, getan. Die Fahrt war der Horror. Da die Strecke von Aschersleben nach Halle (Saale) zur Zeit voll gesperrt ist, wurde mir digital vorgegeben, über Dessau zu fahren. Der Bahnsteig in Dessau war voller Reisender, und der Zug, der uns transportieren sollte, war ebenfalls schon voll. Nun, ich denke, von Dessau sind noch alle Leute mitgekommen, das galt allerdings nicht für diejenigen mit Reiseplänen, die auf den folgenden Bahnhöfen zwischen Dessau und Leipzig-Messe noch standen. Die Rückfahrt – diesmal über Halle – war nicht angenehmer. Wieder Stehen in einem vollen Zug und ab Halle dann Schienenersatzverkehr nach Aschersleben. Der Bus fuhr express zu seinem Zielort, und mir taten die Mitreisenden leid, die ja vielleicht auf einem Unterwegsbahnhof aussteigen wollten. Noch ein Nostalgiegedanke: Zu DDR-Zeiten wurden bei Messen und anderen Gelegenheiten Sonderzüge eingesetzt.

Christel Harke, Aschersleben

Ideologischer Bremsklotz

Zu jW vom 28.3.: »Deutsche Bahn mit Milliardenverlust«

Natürlich dürfte die Bahn nicht von absurd überbezahlten Betriebswirtschaftlern, die keine Ahnung vom Bahnbetrieb haben, geleitet werden. Die können weg. Aber ein Punkt in der Argumentation stört: Die Bahn gehört zu unserer Daseinsvorsorge und muss natürlich subventioniert werden, warum nennt man das »Schulden«? Das ist eine ideologische Keule, um weiter die Lüge vom angeblich billigen Autoverkehr aufrechtzuerhalten. Niemand würde sagen: Der Autoverkehr sei völlig überschuldet, dieser wird aber viel höher subventioniert als die Bahn, obwohl jeder in eine Bahn einsteigen kann, in ein fremdes Auto nicht. Außerdem müssen Bahnbenutzer die Trassenpreise bezahlen, Autofahrer bekommen Infrastruktur, Straßen und Autobahnen von der Allgemeinheit geschenkt.

Klaus Büchner, Berlin

Steiners Hohlkreuz

Zu jW vom 29./30.3.: »Mit Kobolden reden«

Wer von Steiner spricht oder schreibt, muss vor allem von Helena Petrowna Blawatskaja (1831–1891) sprechen. Die Deutschrussin war die maßgebliche Begründerin der Theosophie und mit ihrem ganzen pseudowissenschaftlichen Gedankengebäude die Taktgeberin für Steiner und seine absurden Theorien. Ihre sogenannte Geheimlehre, die sie in mehreren Bänden veröffentlichte, prägt bis in die Gegenwart die Praxis und Theorien ganzer Esoterikervereine und -verbände, nicht nur der Anthroposophen. Ihre Äußerungen zur »Wurzelrassenlehre«, die Rolle der arischen Rasse und einer indoarischen Weltreligion dabei, sind tiefster Rassismus, theoretische und politische Basis vieler rechter Ideologen und okkulter Gesellschaften. Blawatskajas Einfluss auf die Okkultszene ist überhaupt nicht zu übertreiben. Die von ihr vertretene Karma- und Inkarnationslehre findet auch bei Steiner regen Zuspruch, genauso wie die Ichauflösung und der Mythos um die Stadt Shambhala, die vor über 7.000 Jahren angeblich von einer arischen Superrasse gegründet wurde und »Sitz des Weltenkönigs sein soll«. Nach Steiner darf das Land nur noch von Eingeweihten betreten werden. All dies und mehr findet sich im bizarren Gedankengebäude eines Rudolf Steiner wieder, wie es sehr anschaulich und treffend im vorliegenden Artikel beschrieben wurde.

Michael Polster, Berlin

Zum Glück nur Pappkameraden

Zu jW vom 29./30.3.: »›Ich bin nicht bereit, für einen Staat zu sterben‹«

Hallo Ole, habe soeben diesen Artikel gelesen, danke! Ich kann dir sagen, mit deiner Haltung stehst du keinesfalls allein auf weiter Flur. Die, die von Kriegstüchtigkeit reden und die, die die Waffen in Auftrag geben, die wirst du nie an der Front sehen. Davon reden ist immer etwas anderes, als vorn dabei zu sein. Ich weiß, wovon ich rede, obwohl ich »nur« 18 Monate Wehrpflicht abgeleistet habe. 18 Monate weg von zu Hause, weg von der Familie. Auf dem Schießplatz »nur« auf Papp- und Blechfeinde schießen müssen. Noch heute bekomme ich das große Nachdenken, was wäre, wenn diese Feinde zurückgeschossen hätten? Also bleibt die Erkenntnis, das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis. Und es bleibt die alles entscheidende Frage, wer braucht einen Krieg und wem nutzt er? Für Frieden und friedliches Miteinander zu sein bedeutet gesichert denken zu können.

Bernd Lehmann, per E-Mail

Zu DDR-Zeiten wurden bei Messen und anderen Gelegenheiten Sonderzüge eingesetzt

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