Dein roter Faden in wirren Zeiten
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Aus: Ausgabe vom 17.10.2016, Seite 10 / Feuilleton

Selbstmildleid? – Niemals !

Von Wiglaf Droste

Das Lokalblatt, in dem ich morgens blättere, weil es mir alles über das Kinoprogramm sagt und mir beispielsweise jüngst die Ankuckzeiten für das sehr zufriedenstellend ausgefallene Remake von »Die glorreichen Sieben« mitteilte, schenkt mir täglich auch ein unerbetenes Horoskop. Ich lese es trotzdem, und dieser Tage erfuhr ich folgendes:

»Am heutigen Tag haben Sie nur eine einzige Aufgabe: Überwinden Sie endlich den inneren Schweinehund und zwingen Sie sich zu einem gesünderen Lebenswandel! Und tun Sie sich einen Gefallen: Seien Sie nicht zu milde mit sich!«

Lebenswandel? Gesünder? Innerer Schweinehund? Und was ist mit dem äußeren? Und wieso zu milde? Sind denn jetzt alle wahnsinnig? Die kennen mich nicht, und ich kenne die nicht, kenne kein Selbstmildleid und keinen inneren Schweinehund, den ich so antiteln würde. Und was, Schweinhunder, werdet ihr mir morgen empfehlen? Die äußere Ziegenkatze zu überwinden? Und nicht zu wild mit mir zu sein? Ich bin gespannt, wenn nicht sogar gescannt und erkläre feierlich: Horoskopisten, haltet euch zurück – sonst schreibe ich euer Horrorskop!

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