Der Sohn der Legenden
Von Bernhard Krebs
Vier Teams, zwei freie Plätze: Das ist die Ausgangssituation beim Qualifikationsturnier in Tucson, Arizona, für die World Baseball Classics (WBC) 2026, das am Sonntag beginnt. Mit am Start ist die Auswahl des Deutschen Baseball- und Softball-Verbands (DBSV). Das deutsche Team, aktuell auf Platz 17 der Weltrangliste, will erstmalig den Sprung in eine WBC-Endrunde schaffen.
Der Erstplazierte in Tucson erringt einen WBC-Startplatz, Zweit- und Drittplazierte spielen Freitag in einem Finale den letzten Qualifikanten aus. Am Sonntag trifft das DBSV-Team auf die Volksrepublik China (20.), am Montag geht’s gegen Brasilien (23.). Mittwoch dann hat Deutschland mit Kolumbien (13.) die schwierigste Aufgabe zu lösen. Der Kader der Südamerikaner ist mit starken Spielern aus der Major League Baseball (MLB) gespickt. Pitcher-Ass José Quintana hat in der MLB bereits 333 Spiele für insgesamt sieben Klubs als Starting Pitcher bestritten. 2024 wurde ihm bei den New York Mets die Ehre zuteil, am prestigeträchtigen Opening Day zu starten. Infielder Gio Urshela lief 2024 für die Detroit Tigers und die Oakland Athletics auf. Catcher Jorge Alfaro blickt auf 496 MLB-Spiele (2016–2023) unter anderem für die Philadelphia Phillies und die Boston Red Sox zurück.
Die DBSV-Auswahl setzt derweil auf MLB-Veteran und Relief Pitcher Nick Wittgren. Der Rechtshänder lief bislang in 314 Spielen für die Miami Marlins, Cleveland Guardians, St. Louis Cardinals und Kansas City Royals auf. Für die Offensive baut das deutsche Team auf Linkshänder Donald Lutz, der zwischen 2013 und 2014 insgesamt 62 MLB-Spiele (Schlagschnitt 21,1 Prozent) für die Cincinnati Reds bestritten hat. Darüber hinaus hat der 36jährige Routinier mehr als 500 Profipartien in den Minor Leagues auf dem Buckel. Aktuell ist Lutz bei den Brisbane Bandits in der Australien Baseball League aktiv.
Und dann ist da noch ein namhafter Debütant: Starting Pitcher Jaden Gil Agassi. Der 23jährige ist Sohn der Tennislegenden Andre Kirk Agassi und Stefanie Maria »Steffi« Graf, die es zusammen immerhin auf 30 Grand-Slam-Titel bringen (22 davon gehen auf Grafs Konto). Jaden Agassi ließ das Tennisracket aber links liegen und entschied sich für den Pitchers Mount. »Agassi ist natürlich ein ziemlicher Tennisname. Mein Ziel ist es, ihn zu einem Baseballnamen zu machen«, sagte Agassi jr. vergangenen Juni dem TV-Sender WKBN. Dieses Projekt ist bisher allerdings noch nicht so richtig in Fahrt gekommen. Im Collegebaseball spielte Agassi bei den Trojans von der University of Southern California so schwach, dass er in den MLB-Drafts 2023 und 2024 gar nicht berücksichtigt wurde. Kein Wunder bei einem niederschmetternden Earned Run Average (ERA, dem Pitcher angekreidete Runs pro neun Innings) von 9,70 in seinem dritten Collegejahr. Doch im Sommer 2024 wendete sich das Blatt. Bei den Mahoning Valley Scrappers aus Niles, Ohio, gelang Agassi der Durchbruch. In der MLB-Draft-League, einer gemischten Amateur- und Profiliga, warf Agassi 27 1/3 Innings mit einem grundsoliden 2,96 ERA. Das Ganze mit im Schnitt einem Strikeout pro Inning und ohne einen Homerun zu kassieren – eine Leistung, auf die sich aufbauen lässt.
Der erste Gegner China setzt derweil auf Linkshänder Jeremy Wu-Yelland, der 2020 in der vierten Runde beim MLB-Draft von den Boston Red Sox ausgewählt wurde. Der in Seattle geborene Wu-Yelland warf nach langer Verletzungspause 2024 in den Minor Leagues 33 1/3 Innings mit 5,67 ERA. Das ist zwar eher mäßig, könnte die DBSV-Auswahl aber vor Probleme stellen. Gefahr droht im chinesischen Line-up von Samuel Benjamin, der 2024 für die State College Spikes in der MLB-Draft-League einen bärenstarken Schlagschnitt von 42,2 Prozent erreichte, sechs Homeruns schlug und 14 Bases stehlen konnte. Die Stärke des brasilianischen Kaders sind die Werfer: Rechtshänder Eric Pardinho spielt im »Farm System« (i. e. im Ausbildungsprogramm, jW) der Toronto Blue Jays. 2024 warf er als Relieve Pitcher 55 1/3 Innings mit knackigen 66 Strikeouts und solidem 3,25 ERA. Zudem bauen die Brasilianer auf den 19jährigen Outfielder Lucas Ramirez, übrigens auch Sohn eines Stars: Vater Manny war zwölfmal MLB Allstar und MVP der legendären World Series 2004. Damals brachen die Boston Red Sox den »Curse of the Bambino« oder auch »Babe-Ruth-Fluch«: Nach dem Gewinn der World Series 1918 verkauften die Red Sox die spätere Baseballegende Herman »Babe« Ruth an die New York Yankees und gewannen 86 Jahre lang keinen Titel mehr.
Alle Spiele des Qualifikationsturniers als Livestream auf: https://www.mlb.com/world-baseball-classic/qualifiers
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