Adani zieht sich aus Windparkprojekt zurück
Von Thomas Berger
Hat Sri Lanka den mächtigen Adani-Konzern aus dem großen nördlichen Nachbarland Indien bei einem zentralen Energieprojekt faktisch vor die Tür gesetzt? Oder hat sich die Adani-Spitze ganz freiwillig aus »wirtschaftlichen Gründen« zum Rückzug aus dem prestigeträchtigen Vorhaben für zwei Windfarmen auf der Insel zurückgezogen, wie es die konzerneigenen Verlautbarungen zu suggerieren versuchen? Fakt ist, dass die neue Regierung Sri Lankas den Ausbau der regenerativen Stromerzeugung im größeren Stil nicht mit der ins Zwielicht geratenen Adani-Gruppe umsetzen wird und sich nach einer neuen Kooperation umschauen muss. Das kostet Zeit, die das südasiatische Land in mehrfacher Hinsicht nicht hat.
Wie marode und anfällig das bisherige Stromnetz teilweise ist, illustrierte erst wenige Tage zuvor ein tierischer Vorfall. Es war ein einzelner Affe, der das Land in die internationalen Schlagzeilen katapultierte, als er für einen nahezu totalen Blackout sorgte. Zeitweise sollen alle 22 Millionen Einwohner der Inselnation ohne Strom gewesen sein, als das Tier beim Herumturnen in einer Umspannstation im Großraum Colombo einen Kurzschluss auslöste. Vorübergehend brach das System vollständig zusammen, teils dauerte es Stunden, bis wenigstens Krankenhäuser und andere kritische Infrastruktur wieder versorgt wurden. Während sich der Affenkurzschluss zur Mittagszeit ereignete, waren noch spätabends ganze Regionen ohne Strom. Die komplette Wiederherstellung ordnungsgemäßer Energieflüsse dauerte mehrere Tage. Immer wieder mussten Privathaushalte, Einrichtungen und Betriebe in der Folgezeit des Blackouts etappenweise Stromabschaltungen hinnehmen, weil die regionalen Netze überprüft und neu miteinander gekoppelt werden mussten. Abseits der Wohlhabenden, die sich einen Generator leisten können, saßen viele Menschen nicht nur ab Sonnenuntergang im Dunkeln, sondern bei 30 Grad Hitze auch ohne den Lufthauch eines sich träge drehenden einfachen Ventilators.
Über Versorgungssicherheit, Energiewende und bezahlbare Strompreise wird in Sri Lanka schon länger intensiv diskutiert. Abhilfe sollten die beiden Windfarmen im Inselnorden mit Leitungsverbindungen in den Süden schaffen, in die Adani Green Energy 442 Millionen US-Dollar investieren wollte. Der Vertrag mit der Tochterfirma des Imperiums von Gautam Adani, einem engen Freund und Weggefährten des rechten indischen Premierministers Narendra Modi, war von der Übergangsregierung unter Interimspräsident Ranil Wickremesinghe (2022–2024) im Mai 2024 geschlossen worden und sah einen Strompreis von 0,0826 US-Cent pro Abrechnungseinheit (Kilowattstunde/kWh) vor. Enthüllungen aus den USA, Adani habe sich mit Hilfe von Schmiergeldzahlungen lukrative Stromversorgungsverträge in mehreren Ländern gesichert, hatten das Windprojekt in Sri Lanka erneut in den Fokus gerückt. Zwar ist ein etwaiger Korruptionsfall beim Abschluss der Vereinbarung noch nicht final ermittelt. Die neue Administration unter dem jetzigen linken Präsidenten Anura Kumara Dissanayake (AKD) wollte den Deal aber unbedingt nachverhandeln und den Abnahmepreis deutlich senken. Sie kündigte den Vertrag auf und wollte bei der Adani-Tochter eine Reduktion auf maximal 0,06 Cent pro kWh durchsetzen. Kurz darauf teilte der Konzern mit, man ziehe sich »respektvoll« von dem Vorhaben zurück. Wie es nun weitergeht, ist noch unklar. Die AKD-Regierung will am 484 MW starken Windkraftprojekt als solches durchaus festhalten, wie es bisher hieß.
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