Trump lässt die Zölle los
Von David Maiwald
Für die USA soll es »Befreiung« sein. Die Einführung neuer Importzölle am Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump schon vorab mit »Liberation Day« überschrieben. Gegen 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit (und weit nach jW-Redaktionsschluss) wollte Trump die umfassenden Zollanhebungen bekanntgeben. Die genaue Gestaltung war noch unklar, die Washington Post hatte am Montag von 20prozentigen Aufschlägen berichtet, deren »Schockwellen (…) die Wirtschaft fast sofort in eine länger als ein Jahr andauernde Rezession stürzen und die Arbeitslosenquote auf über sieben Prozent steigen lassen würden«.
Von diesem Donnerstag an sollten zudem Zölle von 25 Prozent auf Fahrzeugimporte in Kraft treten, zusätzlich zu bereits bestehenden Handelsgebühren in gleicher Höhe auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren. Auch sollten Staaten, die Öl oder Gas aus Venezuela beziehen, 25prozentige Zölle zahlen müssen. Das könnte den Vorwand liefern, China als wichtigsten Abnehmer venezolanischen Öls zusätzlich zu treffen. Venezuelas zweitgrößter Kunde, der US-Konzern Chevron, darf dort nur noch bis zum 27. Mai aktiv sein.
Die EU-Kommission könnte darauf nicht nur mit Gegenzöllen reagieren, berichtete das Handelsblatt am Mittwoch. In Brüssel werde demnach an einem »Arsenal an Vergeltungsmaßnahmen« gearbeitet, »das weit über klassische Zollisten hinausgeht«. Neben Sonderabgaben für Internetkonzerne stünden Lizenzverzögerungen für Banken, Einschränkungen bei öffentlichen Aufträgen und die Nutzung gesetzlicher Bestimmungen wie des Digital Markets Acts zur Diskussion.
Diese Maßnahmen der EU sind dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer zufolge bereits der Vorwand für die sogenannten reziproken Zölle der USA. Sie sollen Waren beim Import ähnlich hoch belasten, wie auch US-Produkte beim Export in ein anderes Land belegt werden. Dabei zielt die US-Regierung auch darauf ab, etwa Umweltauflagen der EU oder Subventionen mit abzugelten. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge könnten die Maßnahmen das Bruttoinlandsprodukt aller EU-Staaten im Schnitt um 0,25 Prozent senken.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (3. April 2025 um 15:10 Uhr)Was lehrt Trump jetzt der ganzen Welt? Erstens: Es lohnt nicht, mit den USA Verträge zu schließen, wenn sie am nächsten Tag zerrissen werden können. Zweitens: Es ist besser, sich nicht auf Handelsbeziehungen mit den USA einzulassen. Besser ist es, sich Partner zu suchen, auf die man sich verlassen kann. Und drittens: Der Dollar wird zur Zeitbombe. Es ist besser, sich klammheimlich aus seinem Herrschaftsfeld davonzuschleichen. Ob all das die Positionen der USA wirklich stärken wird? Rüpel sind immer sehr laut. Erfolgreich sind sie eher selten. Ihnen fehlt das intensive selbstkritische Nachdenken, ohne das man die Welt nicht ausreichend verstehen kann.
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Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (3. April 2025 um 09:43 Uhr)Trump allein zu Hause! Trumps Zollpolitik – »Zölle, Zölle über alles!« – gleicht einer wahren Orgie neuer Abgaben. Er scheint entschlossen, die halbe Welt zu belegen, doch bevor er fleißig Zölle verhängt, müsste er erst klären, wer überhaupt »drinnen« und wer »draußen« ist. Sein Ziel, die USA wieder groß zu machen, wird er auf diese Weise kaum erreichen. Die Zeiten, in denen die Vereinigten Staaten die Weltwirtschaft nach Belieben dominierten, sind längst vorbei. Nicht Trump oder die US-Regierung bestimmen das globale Wirtschaftsgeschehen, sondern die Federal Reserve – ein privates Dollar-Imperium, das untrennbar mit der US- und Weltwirtschaft verflochten ist. Während die Fed die Gewinne einstreicht, trägt der amerikanische Staat die Kosten. Daran kann selbst Trump nichts ändern. Und sollte er weiterhin keine echten Erfolge vorweisen können, könnte er sich schon bald, gut zollgeschützt, tatsächlich »allein zu Hause« wiederfinden.
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