UBS gegen KKS
Von Dominic Iten
Das Salär von Sergio Ermotti löste erneut Entrüstung aus: 15 Millionen Franken Jahreslohn für den Chef der Schweizer Bank UBS, das sorgte selbst beim schweizerischen FDP-Präsident Thierry Burkart für Kopfschütteln: Eine solche Entschädigung sei »aus Sicht der Bevölkerung viel zu hoch«, befand er. Das findet auch der Ständerat: Dieser stimmte Mitte März überraschend einer Motion (einem Handlungsauftrag an die Regierung) zu, Bankiersgehälter bei fünf Millionen Franken zu deckeln.
Ermotti plagen aber andere Sorgen: Denn die Schweizer Finanzministerin Karin Keller-Sutter, auch KKS abgekürzt, plant, die UBS stärker zu regulieren. Die Pleite der vor zwei Jahren geschluckten Credit Suisse – und die aus der Fusion mit ihr geschaffene Riesenbank – hat eine Debatte über die Sicherheit des Finanzsektors in Gang gesetzt. Die UBS konnte zudem von der letztjährigen Rallye der europäischen Bankaktien nicht profitieren, ihre Anteilsscheine büßten in den vergangenen zwölf Monaten an Wert ein.
Der Entscheid zu den Bankiersgehältern kam mit der Veröffentlichung des parlamentarischen Untersuchungsberichts zum Fall der Credit Suisse zusammen. Es dürfte die Annahme dieses Auftrags begünstigt haben, dass diese über Jahre hinweg hohe Risiken einging, regulatorische Auflagen missachtete und trotz drastischer Verluste hohe Prämien an das Management ausgezahlt hatte. Die Motion muss allerdings erst noch den Nationalrat passieren.
■ Nach der Übernahme der Credit Suisse, bei der die UBS einen Gewinn in Höhe von umgerechnet 29 Milliarden US-Dollar einfahren konnte, befinde sich die neu geschaffene Megabank »in einem Rückzugsgefecht«, urteilte die Financial Times am vergangenen Wochenende. »Die Integration, der Abbau von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten, die Restrukturierung«, was die UBS kontrollieren könne, laufe gut, zitierte die Wirtschaftszeitung einen Marktbeobachter der Investmentfirma Vontobel. Es sei vor allem eine Folge von »Regulierungsunsicherheiten«, dass der Aktienkurs der UBS gegenüber dem der Konkurrenz an Boden verliere, so die Einschätzung.
Verantwortlich dafür sind unter anderem der Bundesrat und die Finanzmarktaufsicht. Die Finanzbehörden sehen sich nach dem Kollaps der Credit Suisse mit wachsendem Zweifel an der Resilienz der Schweizer Finanzregulierung konfrontiert. Die Reform der Kapitalvorschriften soll nun Stärke zeigen. Künftig soll die UBS ausländische Tochtergesellschaften mit 100 Prozent Eigenkapital anstelle der bisherigen 60 Prozent unterlegen müssen. Laut Financial Times würde die Kernkapitalquote so von 14 Prozent auf 19 Prozent ansteigen, was den Bedarf um 15 bis 25 Milliarden US-Dollar erhöhen würde.
Dagegen lanciert die UBS aktuell die »größte Lobbyingaktion, die die Schweiz je erlebt hat«, berichtete die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am vergangenen Wochenende. Das Geldhaus versuche »mit allen Mitteln« regulatorische Reformen zu verhindern, sein Ton werde »schriller«, »Halbwahrheiten, Druckversuche und Unterstellungen« prägten die Debatte, so die NZZ. Ermotti bezeichnete Finanzministerin Keller-Sutter in einem offenen Brief als »größtes Hindernis« und deutete eine Verlegung des UBS-Hauptsitzes ins Ausland an.
Einen Punkt hat der Bankchef, brach die Credit Suisse doch letztlich nicht wegen einer zu geringen Eigenkapitalquote zusammen. Auch wenn diese etwa durch aufgeschobene Steueransprüche und immaterielle Vermögenswerte »aufgebläht« worden sei, wie das Finanzportal Finews kürzlich kommentierte: Nachdem Abermilliarden Franken an Vermögen und Einlagen von der Credit Suisse abgezogen wurden, stiegen die Preise für Kreditausfallversicherungen seinerzeit stark an: Das Vertrauen der Anleger war dahin. Ein Risiko, das sich auch per Gesetz nicht bannen lässt.
Der Zeitplan jedenfalls verschiebt sich zugunsten der UBS. Denn die verschärfte Eigenkapitalvorschrift soll neuerdings nicht mehr in der bestehenden Eigenmittelverordnung, sondern im Bankengesetz verankert werden und den langwierigen parlamentarischen Prozess durchlaufen. Die UBS dürfte einige Jahre für intensivierte Lobbyarbeit gewinnen.
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