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Aus: Ausgabe vom 03.04.2025, Seite 16 / Sport
Fußball

Für ein halbes Bier mehr

Drittligist Arminia Bielefeld schlägt Doublesieger Bayer Leverkusen und steht im DFB-Pokalfinale
Von Jens Walter
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Man gönnt sich ja sonst nichts: Freudentaumel der Arminia in Bielefeld

»Saufen.« Das sei sein Gedanke bei Abpfiff gewesen, erklärte Bielefelds Trainer Mitch Kniat auf Nachfrage nach dem 2:1-Coup gegen Titelverteidiger Bayer Leverkusen im DFB-Pokal am Dienstag abend. »Heute ist eine Ausnahme, wo ich auch mal ein halbes Bier trinke.« Angesichts des Finaleinzugs des Drittligisten wollte der Arminia-Coach sogar mit einer ehernen Regel brechen: »Ich trinke schon gerne Alkohol. Aber ich trinke normalerweise nie mit der Mannschaft oder auf einer Weihnachtsfeier, weil das ist für mich immer noch Beruf«, sagte er.

Das örtliche Café Europa platzte denn auch aus allen Nähten, hupende Autokorsos hielten die Bielefelder Innenstadt wach, Fanmassen besangen auf dem Jahnplatz die Reise nach Berlin, die sie nun tatsächlich bald antreten werden.

Wer von den Spielern am Mittwoch mittag schon wieder laufen konnte, wurde von Kniat versammelt, um den Vorabend auf der Alm erneut Revue passieren zu lassen. Als erst vierter Drittligist steht Bielefeld nach dem Triumph gegen den Doublesieger von 2024 im Endspiel. Vor der Bielefelder Sensation hatten bereits die damals drittklassigen Regionalligisten Hertha BSC II (1993), Energie Cottbus (1997) und Union Berlin (2001) das Finale erreicht. Mit der Werkself warfen die Ostwestfalen bereits den vierten Erstligisten in Folge aus dem Wettbewerb. Das hatte zuvor im Pokal noch keine Mannschaft unterhalb der zweiten Liga geschafft. Nach dem ambitionierten Zweitligaklub Hannover 96 (2:0) scheiterten Union Berlin (2:0), der SC Freiburg (3:1) und Werder Bremen (2:1) an der Arminia.

Leverkusen zeigte sich in der Partie blutarm und verwunderte mit einer ungewohnten Taktik. Statt auf seine spielerischen Qualitäten zu vertrauen, griff Bayer auf der Alm vor allem mit vielen langen Bällen an. »Das ist mit Abstand das schlechteste Spiel in dieser Saison gewesen. Und das im wichtigsten Spiel. Wir haben es verkackt«, sagte Nationalspieler Robert Andrich.

»In 120 Jahren von Bielefeld bis ins Finale von Berlin« stand auf den T-Shirts der Siegermannschaft um die Torschützen Marius Wörl (20.) und Maximilian Großer (45.+3). »Für mich persönlich ist das ein Kindheitstraum«, sagte Wörl. Am 24. Mai trifft die Arminia im Olympiastadion auf RB Leipzig oder VfB Stuttgart – und gerät dadurch unerwartet in Terminnot. Am selben Tag sollte man im Finale des Westfalenpokals spielen, zudem beträgt der Rückstand in der Liga auf Relegationsrang drei nur einen Zähler. Die Relegationsspiele um den Aufstieg in die zweite Bundesliga sollen am 23. und 27. Mai steigen – und müssten verlegt werden, sollte Bielefeld Dritter werden.

Man wird es verschmerzen können, denn auch finanziell hilft der Erfolg dem Klub enorm: »Für den Verein bedeutet das extrem viel. Wenn du als Drittligist ins Finale kommst, alleine die Einnahmen«, sagte Wörl. Für den Halbfinaleinzug gab es rund 7,5 Millionen Euro (ca. 6,5 Millionen Euro DFB-Prämien plus Ticketverkäufe), mindestens 2,88 Millionen kommen durch den Sieg noch mal hinzu. Mit einem Sieg in Berlin würden die Bielefelder sogar 4,3 Millionen Euro zusätzlich kassieren – und im kommenden Jahr in der Europa League spielen.

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