Mordprozeß fortgesetzt
Von jW/APMit der Aussage des Berliner Buchhändlers Klaus Baltruschat ist am Freitag vor dem Lübecker Landgericht der Prozeß gegen den wegen Polizistenmordes angeklagten Kay Diesner fortgesetzt worden. Der 63jährige Baltruschat war wenige Tage vor dem Mord an einem 34jährigen Polizisten von Diesner angeschossen und schwer verletzt worden. Der 25jährige Rechtsextreme muß sich wegen Mordes und vierfachen versuchten Mordes vor Gericht verantworten und hatte am ersten Prozeßtag vor einer Woche die Taten gestanden, aber bestritten, den Buchhändler töten zu wollen.
Nach der Schilderung des 63jährigen Buchhändlers hatte dieser am Morgen des 19. Februars um 9 Uhr sein Geschäft in Berlin-Marzahn geöffnet. Als er den Anrufbeantworter abhörte, habe er im Türrahmen eine von Kopf bis Fuß schwarz vermummte Gestalt mit einem Gewehr im Anschlag gesehen. Zwei Schüsse hatten ihn getroffen und schwer verletzt. Der 63jährige, der in seiner Freizeit mit Mädchen Handball trainiert, verlor seinen linken Unterarm und einen Finger der rechten Hand. Den Angeklagten habe er zuvor nie gesehen, sagte Baltruschat.
Anschließend sagten drei Berliner Polizeibeamte vor der Kammer aus. Der Leiter der polizeilichen Ermittlungen in Berlin, Axel Curth, erklärte, bei den Ermittlungen habe sich herausgestellt, daß es die Tat eines Einzelnen gewesen sei und keinen organisierten, rechtsextremen Hintergrund gegeben habe. Allerdings sei bekannt gewesen, daß Diesner in rechtsextremen Kreisen in Berlin verkehrte. Bei dem »Weißen Arischen Widerstand«, dem sich Diesner zugehörig fühle, handele es sich nicht um eine streng organisierte Gruppe, sondern um einen Oberbegriff, unter dem sich diverse rechte Gruppen sammelten, so der Kommissar.
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