Aussterbendes Tier des Tages: Die Milchkuh
Von Hagen Bonn
Wussten Sie, dass blickdichte Glasscheiben, auch Milchglas genannt, ohne die Zugabe von Milch hergestellt werden? Ähnlich bei der Biersorte »Corona«. Neben Bier finden wir Mais, Reis, Papayaenzyme und Vitamin C im Glas. Auch gut: Der erste »synthetische Lederlappen« wurde von der Marke »Vileda« eingeführt. Vileda? Ja, steht für »wie Leder«. Aber nun hat jemand den Spaß übertrieben. Für schwache Gemüter gilt: Bitte hinsetzen! Das mit dem Milchglas mag ja noch hinkommen, aber die Firma Brown Foods (USA) bereitet gerade die Markteinführung von »Unreal Milk« vor. Was? Nun, dabei handelt es sich um die erste im Labor hergestellte Milch, die ohne die Hilfe von Kühen (sie wissen schon, diese violetten Paarhufer) auskommt. Die Soße, äh … Milch soll mittels »Säugetierzellkulturtechnologie« das Licht der Welt erblickt haben. Als ich das meinem Nachbarn erzählte, nickte der nur und meinte, man erfinde gerade tierische Fette im Labor, damit vegane Wurst und Fleisch mehr Geschmack bekommen und damit auch mehr Kunden anlocken. Und jetzt rechnen wir diese Entwicklung einmal hoch. Unser Frühstücksei! Da will ich lieber nicht wissen, wie das Labor da verfahren möchte. Eisbein ist einfach. Das Labor steht dann eben in Island. Spaß beiseite, der Markt ist gigantisch, und es geht natürlich um eine massive Rationalisierungsmaßnahme: Züchter, Stallanlagen, Futter, Heizung, landwirtschaftliche Nutzflächen, Transport, Schlachthof, Verarbeitung … Das Gegenmodell liest sich so: Einem Tier wird Muskelgewebe entnommen, daraus werden Stammzellen gewonnen und mit einem Nährmedium, bei besten Bedingungen, so vermehrt, dass am Ende wahlweise ein Steak, ein Chickenwing oder Bratwürste entstehen. Steht das Labor in Erfurt, sind es … Sie wissen schon.
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Leserbrief von Astrid Soika aus Oettingen in Bayern, Heuberg (6. März 2025 um 08:19 Uhr)Ja, fände ich gut. Endlich mal sinnvolle Forschung. Was interessiert die Erforschung eines Exoplaneten, wie viel Milliarden werden für Forschung im All ausgegeben. Eine künstlich hergestellte Milch würde ich sofort kaufen. Im Prinzip ist Milch eine Verbindung von Wasser und Fett. Plus diverse Mineralien und Vitamine. Geht alles künstlich. Der Massenmord an fühlenden Lebewesen würde dadurch verringert. Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie ein Kalb geboren hat. Dieses Kind wird ihr sofort nach der Geburt entrissen. Ist es ein Bullenkalb, wird es bald geschlachtet. Ist es ein Kuhkalb, darf es leben. Als Waisenkind ohne Kontakt zur Mami. Klar kümmert sich der Bauer liebevoll um das Baby. Doch es ist ein Geschäft mit dem Tod, dafür, dass wir immer Milch, Sahne, Käse, Schnitzel und Steak auf dem Tisch haben. Wäre es nicht wundervoll, wenn so leckere Lebensmittel am »Baum als Frucht« wachsen würden? Das (!) ist ein Schritt in eine liebevollere Zukunft. Wir Menschen können erfinden und Neues erschaffen, ich fände es großartig. Ich freue mich schon auf die erste Viemilch :-)
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Leserbrief von Andreas Kubenka aus Berlin (6. März 2025 um 18:00 Uhr)Hier zeigt sich wieder einmal das ganze Elend der heutigen politischen »Linken«! Anders als Karl Marx erstrebt man die »Emanzipation« des Menschen von seiner Natur, zu der eben auch eine Ernährung mit tierischen Produkten gehört. Dabei war der Übergang von der Wildtierjagd zur Viehzucht einer der großen zivilisatorischen Fortschritte der Menschheit.
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Leserbrief von R.Brand (5. März 2025 um 11:23 Uhr)Tierquälerei und Schlachtung sind besser? Oder die Hormone, Impfmittel, Antibiotika- und Reserveantibiotika, die den Tieren verabreicht werden? Schlecht für die Pharmaindustrie wärs. Aber durchsetzen wird sich das nur, wenn diese Alternativen auch billiger sind. Heute muss jeder sparen – weil Aufrüstung bringt geringere Renten, höhere Inflation und höhere MwSt.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (4. März 2025 um 20:16 Uhr)»Steht das Labor in Erfurt, sind es …« Bodowürste?
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vom 05.03.2025