Dein roter Faden in wirren Zeiten
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Aus: Ausgabe vom 01.04.2025, Seite 15 / Natur & Wissenschaft
Astronomie

Schicht im Orbit

Nach zwölf Jahren im All wurde das Weltraumteleskop »Gaia« abgeschaltet
Von Marc Püschel
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Eines der wichtigsten Weltall-Forschungsprojekte wurde eingestellt. Am 27. März schickte die Europäische Weltraumorganisation (ESA) den letzten Befehl an die Sonde »Gaia«. Ihr Name ist sowohl ein Akronym für »Globales Astrometrisches Interferometer für die Astrophysik« als auch eine Anspielung auf die Erdgöttin aus der griechischen Mythologie. Damit aus der Sonde kein Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn wird, leitet man sie nun auf einen Orbit um die Sonne und schaltet dann ihre Bordsysteme ab. Ein Weiterbetrieb war nicht mehr möglich, da der Treibstoff der Sonde aufgebraucht ist. Bereits seit Januar wurden nur noch bestehende Daten von der Sonde heruntergeladen.

Seit Dezember 2013 hat das Weltraumteleskop Daten über die Milchstraße geliefert und damit die Erstellung eines dreidimensionalen Modells ermöglicht. In den zwölf Jahren seiner Tätigkeit hat es zweieinhalb Milliarden Sterne vermessen und ihre Bewegungen verfolgt. Darüber hinaus wurden unter anderem Asteroiden, Quasare und Schwarze Löcher untersucht. Im Interview mit dem MDR betonte Missionsmanager Uwe Lammers, dass »die Daten von ›Gaia‹ die Astronomie revolutioniert haben«. Die Informationen haben zu zahlreichen neuen Erkenntnissen über unsere Heimatgalaxie geführt, etwa, dass die Milchstraße mehrere Spiralarme hat, dass sie an ihren Rändern gewölbt ist und dass es vor 5,7 Milliarden Jahren zu einer Kollision mit einer Zwerggalaxie kam.

Weitere Entdeckungen könnten in den nächsten Jahren folgen, denn bislang sind laut Lammers nur ein Drittel der Daten publiziert worden. 2026 und 2030 werden weitere Datensätze veröffentlicht. »Die finalen Datenkataloge werden unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse noch jahrzehntelang prägen«, so der »Gaia«-Projektwissenschaftler Johannes Sahlmann. Die ESA plant weitere Projekte zur Kartierung der Galaxie, aufgrund der langen Vorbereitungszeit und der hohen Kosten – »Gaia« hat rund eine Milliarde Euro gekostet – wird es etwas Vergleichbares aber erst in einigen Jahren oder gar Jahrzehnten geben.

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