Dein roter Faden in wirren Zeiten
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Aus: Ausgabe vom 02.04.2025, Seite 16 / Sport
Fußball

Unter wachsamen Augen

Nachlese: Vor Ort beim Spiel Jordanien gegen Palästina in der asiatischen Fußball-WM-Qualifikation
Von Mathias Dehne, Amman
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Kein Durchkommen: Der irakische Stürmer Ayman Hussein läuft sich in der palästinensischen Defensive fest (25.3.2025)

Jordanien gegen Palästina in der Qualifikation zur Fußball-WM 2026 – das bedeutet für beide Teams Heim- und Auswärtsspiel zugleich. Weil beide derzeit im Amman International Stadium kicken und über 20 Prozent der jordanischen Bevölkerung Palästinenser sind, in Amman schätzungsweise sogar bis zu 80 Prozent.

Der anhaltende Genozid in Gaza lässt sich natürlich nicht ausblenden. Zwei Tage vor dem Spiel am 20. März brach Israel einseitig die Waffenruhe. Wie The Palestine Chronicle berichtete, wurden bei einem Luftangriff gemeinsam mit dem Sprecher der Al-Kuds-Brigaden des Islamischen Dschihads mehr als 400 Menschen ermordet. Erneut Bilder des Grauens. Der Palästinensische Fußballverband veröffentlichte am Spieltag ein Video, das mit der Botschaft »Wir spielen für eine Sache – stoppt den Genozid sofort« endete. Im Video machten Spieler und Trainer deutlich, was der Krieg für die Bevölkerung Gazas bedeute und dass er den Fußball längst erreicht habe. Ihre Botschaft passt damit zur Red-Card-Kampagne von Fans weltweit, die den Ausschluss des israelischen Fußballverbandes aus dem Weltfußball fordert.

Das Stadion besuchten an jenem Donnerstag abend 9.555 Zuschauer. Einige Blöcke blieben verwaist, Plätze dort wurden gar nicht erst angeboten. Auch eine strikte Trennung der Anhänger war nicht vorgesehen. Ein Zuschauer im Gästeblock vermutete gegenüber jW, das geschah in der Absicht, die Masse der Gästefans auszudünnen. Zuvor wurde über soziale Medien groß zur Unterstützung des jordanischen Teams aufgerufen, das sich durchaus Chancen auf seine erste WM-Teilnahme ausrechnen kann. Der Gästeblock war mit 350 Fans besetzt, darunter viele internationale. Auch eine Stimmungstraube samt Vorsänger hatte sich gebildet. Besungen wurden die Freiheit Palästinas und die »Märtyrer der Nationalbewegung« – darunter auch der Hamas-Führer Jahja Sinwar. Jordanische Fans solidarisierten sich in ihren Gesängen. Gen Nachthimmel wurden Kufijas gereckt.

Zu den Unterstützern der Gäste gesellten sich ungefähr gleich viele Security- und Polizeikräfte in Zivil vor und im Block. Die obligatorische Kameratechnik war damit zur Überwachung überflüssig, und jeder Zuschauer konnte sich gewiss sein, im Fall der Fälle wiedererkannt zu werden. Die Sorge vor unliebsamen Meinungsäußerungen war hoch. Propalästinensische Proteste durften in der Woche zwar stattfinden, aber nur eingeschränkt. So durften gleich zwei Demonstrationen in Irbid, der zweitgrößten Stadt des Landes, nicht durch die Stadt ziehen und waren als Kundgebungen örtlich gebunden.

Obgleich im Stadion selbst keine Spruchbänder zu sehen waren, sendeten nach dem Spiel zwei Gruppen Botschaften aus Ammans Innenstadt, in denen sie sich solidarisierten. Das dokumentierte die Instagram-Seite der palästinensischen Fußballakademie Lajee Celtic. Wie mittlerweile über 160 Fangruppen forderten auch sie: »Show Israel the Red Card!«

Unter Flutlicht und in strömendem Regen gingen die Jordanier bereits in der dritten Spielminute in Führung; Torstütze Jazan Abu Al-Arab schnürt aktuell für den FC Seoul die Schuhe. Abdallah Nasib erhöhte in der 11. Minute auf 2:0. Ein Auftakt nach Maß für das jordanische Team. Das palästinensische hatte sich den Start dagegen gewiss anders vorgestellt. Als der in Thailand kickende Tamer Sejam in Minute 33 nach sehenswerter Vorarbeit von Ahmed Taha zum Anschlusstreffer einnetzte, keimte kurz Hoffnung auf. Ein Abwehrpatzer von Mohammed Saleh an der Strafraumgrenze besiegelte jedoch bereits in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den Endstand – 3:1 durch Mousa Al-Taamari.

Am 25. März gelang Palästina mit einem Last-minute-Treffer ein 2:1-Sieg gegen den Irak, während Jordanien gegen den Tabellenersten Südkorea ein 1:1 erkämpfte. Damit hat Jordanien 13 Punkte und steht auf Platz zwei der Gruppe B der asiatischen Qualifikation, wäre also direkt dabei. Palästina rangiert mit sechs Punkten auf dem fünften von sechs Plätzen, hat aber bei zwei ausstehenden Spielen und vier Punkten Rückstand noch Chancen auf die nächste Qualifikationsrunde.

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