Fußballweisheiten
Von René Lau
Manche Fußballweisheiten haben wir schon von unseren Großvätern gehört, als sie uns das erste Mal mit ins weite Rund nahmen. Andere sind eher als Schenkelklopfer gedacht und nur beim Bier zu ertragen. Aber wenn es eine Weisheit gibt, die sich im großen wie unterklassigen Fußball wiederfindet, dann die: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Jeder von uns kennt den Kreisligisten, der sensationell einen Oberligisten aus dem Landespokal gekegelt hat und in die nächste Runde eingezogen ist. Im großen Fußball haben wir erst in dieser Saison gesehen, was ein steter Heimvorteil, großer Kampf und Einsatz bringen können. Der Stolz Ostwestfalens, der DSC Arminia Bielefeld, steht im Pokalfinale. Und ein Wunschtraum im kontemporären Fußball ist in dieser Woche auch mal wieder verwirklicht worden: Kommerz schlägt niemals Tradition.
Ein Konstrukt wie der Brauseklub aus Leipzig darf nicht zur Normalität werden. Auch wenn es bereits zweimal den Pokal gewonnen hat, wird das Mateschitz-Projekt nie »real« sein. Beispiel gefällig? Man hat es nicht einmal als Bundesligist geschafft, in einem Pokalhalbfinale den Gästeblock mit 6.000 Plätzen zu füllen. Nur knapp 3.000Karten hat RB abgenommen, der Rest ging zurück nach Stuttgart. Selbst mit Preisen von 15 Euro für die Busfahrt oder dem Angebot, beim Kauf des Halbfinaltickets ein Vorkaufsrecht für ein eventuelles Finale zu haben, reichten nicht aus. Tradition und Fankultur sind eben nicht käuflich. Und das ist auch gut so und wird auf ewig so bleiben. Da kann man in Fuschl am See noch so viele Dosen verkaufen und das Geld in erworbene Klubs stecken.
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