Brüssel am Katzentisch
Von Reinhard Lauterbach
Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, direkt mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin über ein Ende des Ukraine-Kriegs zu verhandeln, ist am Donnerstag in Brüssel mit wenig Begeisterung aufgenommen worden. Kritisiert wurde während des NATO-Treffens vor allem, dass es seitens der US-Regierung Zusagen an Russland gebe, bevor Verhandlungen über eine Waffenruhe überhaupt in Reichweite seien. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte vor einer Appeasementpolitik. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius nannte das Vorgehen Trumps »bedauerlich«. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij betonte, sein Land werde ein bilaterales Abkommen zwischen Russland und den USA nicht akzeptieren und forderte die Teilnahme der EU an den Verhandlungen.
Putin hatte die russische Ablehnung einer Beteiligung der EU an eventuellen Ukraine-Verhandlungen bereits vor Wochen explizit erklärt; sein Sprecher Dmitri Peskow fügte jetzt hinzu, die Erfahrung Russlands mit den Minsker Abkommen von 2014 und 2015 zeige, dass die europäischen Garantiemächte nichts getan hätten, um die Ukraine an ihre Verpflichtungen aus dem Vertrag zu erinnern. Damit habe sich die EU als Verhandlungspartner unglaubwürdig gemacht. Kiew werde dagegen »auf die eine oder andere Weise« an den geplanten Friedensgesprächen zur Beendigung des seit drei Jahren dauernden Konflikts beteiligt sein. »Es wird beides geben, einen bilateralen russisch-amerikanischen Teil des Dialogs und einen Bereich im Zusammenhang mit der Beteiligung der Ukraine«, sagte Peskow. Die Vorbereitungen für Treffen der Präsidenten könnten aber Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen. Als Ort der Zusammenkunft wäre die saudische Hauptstadt Riad für beide Seiten passend, meldete RIA.
Der französische Verteidigungsminister Sébastien Lecornu sagte, nur ein Frieden durch Stärke – aus westlicher Sicht – könne zu haltbaren Lösungen beitragen. Ein »Frieden durch Schwäche« dagegen bedeute, dass Russland, China und Nordkorea Anreize bekämen, ihrerseits eine aggressivere Außenpolitik zu verfolgen. Lecornu stellte auch den Zusammenhalt der NATO in Frage: Sie habe sich in der Vergangenheit als starkes Bündnis bewährt, aber es sei unsicher, ob dies auch in zehn oder 15 Jahren noch gelten werde. Polens Außenminister Radosław Sikorski erklärte, sein Land werde weiter uneingeschränkt an der Seite der Ukraine stehen; aus London gab es Erklärungen, das Land auch militärisch weiter zu stärken.
Ausgesprochen frustriert klang NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der erklärte, man müsse jetzt sehen, wohin die US-amerikanische Initiative führen werde. Damit ein Friedensabkommen Bestand habe, müsse die Ukraine eingebunden werden, fügte Rutte hinzu – eine Anspielung auf das der Ukraine verbleibende Sabotagepotential und eine indirekte Ankündigung, dass die europäischen NATO-Staaten hiergegen nicht unbedingt vorgehen würden.
Im Unterschied zur kaum verborgenen Ablehnung der US-russischen Gesprächspläne kam aus der Volksrepublik Unterstützung für das Vorhaben. China habe sich stets für eine Verhandlungslösung eingesetzt, teilte das Außenministerium in Beijing mit; es begrüße daher, dass die USA und Russland als »einflussreiche Mächte« ihren »Dialog über eine Reihe internationaler Themen verstärkten«. Die Tatsache, dass der Trump-Vorschlag China ebenso wie die EU aus künftigen Verhandlungen heraushält, wurde nicht thematisiert.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (14. Februar 2025 um 13:03 Uhr)Was für ein gelungen ausgewähltes frisches Foto: Anstatt der üblichen krassen, unkeuschen Kuschelgruppe nun dies: Herr Rutte erhebt die Hand gegen den anderen Podiumsgast! Falsch! Zwei (!) Hände recken sich himmelwärts. Wir erfahren: vom Ende der Harmonie der vorgetäuschten trauten Turteltäubchen. Wobei es so machtvoll klang, dass er zum GÄNÄRALSÄKRÄTÄR der weltweit größten Firma bestimmt wurde, um Waffen zu kaufen und sie z. B. gleich um die Ecke zu verwenden: Er hatte die Vorentscheidung gegen Klaus Johannis, den rumänischen Präsidenten, gewonnen, der jetzt zurückgetreten ist (sein Nachfolger wohl auch), weil da was wegen Amtsenthebung lief und er die rumänische Demokratie auf diese Art und Weise zu retten bestrebt ist. – Mir imponiert dieses stolze Handeln, aber warum tut er so? Nur weil er den rumänischen Geheimdienst dazu aufforderte und bestimmte, einen russischen Einfluss auf die letzten Präsidentschaftswahlen vorzutäuschen? Wo liegt denn das Problem? Machen doch alle! Da kommt mensch schon ins schwankende Grübeln, wofür dieser Generalsekretär des NATO-Pakts denn benötigt wird? Oder dieses EuroUnionParlament mitsamt einem überreichen Wahltheater, wenn sich was herausstellt? Das Weiße Haus in Moskau und das Weiße Haus in Washington lassen, dem Moskauer Kreml zufolge, – sagen wirs freundlich – nun der Berliner Waschmaschine etwas Verlautungsspielraum. Doch was kam dabei heraus? Ohne uns EUler wird es keinen Frieden geben. – Was soll mensch noch dazu sagen? Kurz vorm Wochenende: Bei Frau Kaja Kallas denke ich immer an Frau Annegret Kramp-Karrenbauer und ihr gängiges Namenskürzel AKK. Niemandem wäre es eingefallen, einen anderen Buchstaben als den letzten zu betonen. Das muss schon sein. Ein Umdenken ist also im Kallasfall nur bedingt angebracht. Dazu passt leider das Kürzel, das sich für Frau Ursula von der Leyen förmlich aufdrängt. Es tut mir leid, Frau UvD Leyen, aber warum Tatsachen leugnen?
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