Nein zu Kriegskrediten!
Von Arnold Schölzel
Das Datum 18. März 2025 dürfte in die Geschichtsbücher eingehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der am 23. Februar abgewählte Bundestag mit der Zweidrittelmehrheit von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen Grundgesetzänderungen beschließen, die das größte Aufrüstungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik in Gang setzen. Das ist vergleichbar mit den Reichstagsabstimmungen über die Kriegskredite für den vom deutschen Imperialismus entfesselten Ersten Weltkrieg. Der Unterschied: Der jetzt geplante Umfang sprengt alle bisherigen Dimensionen. 1914 ging es um zunächst fünf Milliarden Reichsmark, jetzt nannte das Handelsblatt die (vorläufige) Summe von 1,7 Billionen Euro.
Der Militäretat soll keine Grenzen kennen. Verborgen wird diese »Lösung der Fesseln« (Lars Klingbeil, SPD) hinter der Formel, dass die sogenannte Schuldenbremse für Rüstungsausgaben, die mehr als ein Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts betragen, ausgesetzt wird. Die drei beteiligten Fraktionen und fast alle Medien verschweigen, um welche Summen es geht.
Die zwei weiteren Verfassungsänderungen – Einrichtung eines Sondervermögens in Höhe von 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur sowie Ausnahmen von der Schuldenbremse für die Bundesländer – sind Anhängsel der Hochrüstungspläne. Um die geht es. Die Bundesrepublik tritt mit ihnen in eine Phase nicht nur erklärter, sondern praktizierter Kriegsvorbereitung ein. Die Quantität der Vorhaben schlägt um in eine neue Qualität des Militarismus. Der »erweiterte Sicherheitsbegriff«, den Bündnis 90/Die Grünen in den zur Abstimmung stehenden Gesetzesvorlagen verankert haben, nimmt vorweg: Militär und Repressionsapparat werden in der deutschen Gesellschaft eine noch größere Rolle spielen als bisher. Die Welle an Russophobie, die seit mehr als zehn Jahren durchs Land rollt, nahm die ideologische Zurichtung durch »kognitive Kriegführung« gegen die eigene Bevölkerung vorweg.
Ob es sich beim Verzicht auf die Einberufung des neuen Bundestages um einen Verfassungsputsch handelt oder nicht, ist fast Nebensache. Die Eile, mit der die Billionen-Euro-Rüstung durchgepeitscht wird, ist symptomatisch: Das Grundgesetz wird reaktionär umgebogen.
Karl Liebknecht war am 2. Dezember 1914 der einzige SPD-Abgeordnete, der gegen die Kriegskredite stimmte. Heutige Gegner aus den drei beteiligten Fraktionen berufen sich nicht auf Friedens-, sondern auf Fiskalpolitik. Auch das bringt Krieg näher.
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Grüne schlagen Haken
Als einen »Schicksalstag« könnte man eher den Tag des Niederreißens des antifaschistischen Schutzwalls bezeichnen. Oder den 1. Dezember 1989, als im Artikel 1 Abs. 1 der DDR-Verfassung der zweite Halbsatz im 2. Satz »unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei« gestrichen wurde, wie das Neue Deutschland am 2. Dezember 1989 berichtete. In der selben Ausgabe wurde übrigens über ein Konzert von Wolf Biermann in der Leipziger Messehalle 2 berichtet, wo er »nach 20 Jahren Zwangspause von 4000 Besuchern mit einem Beifallsorkan empfangen« wurde.
Diese ganze Entwicklung wurde von Gorbatschow gefördert. Dessen Gift hatte auch Mitglieder der SED infiziert. Hans Modrow unterhielt, wie er in seinem Buch »Aufbruch und Ende« (1991!) schwärmte, mit Gorbatschow »ein herzliches persönliches, aber auch ein konstruktives Arbeitsklima«, er war für ihn ein Mensch, »der wirklich in großen Maßstäben denkt, der ein sehr komplexes Denken hat«. Honecker mag Fehler gemacht haben, aber er erkannte immerhin den Betrug mit der Perestroika, siehe Verbot der Zeitschriften »Sputnik« und »Moskauer Nachrichten«, die sich unter Gorbatschow zu »übelsten antisowjetischen Hetzblättern« (Gossweiler) entwickelten.