Dein roter Faden in wirren Zeiten
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Aus: Ausgabe vom 28.03.2025, Seite 3 / Schwerpunkt
E-Autos aus China

Konkurrenz auf der Überholspur

Tesla im freien Fall, der große Mitbewerber BYD aus China erklimmt neue Höhen
Von Sebastian Edinger
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Die Automarke BYD entwickelt sich zum echten Hingucker (Automesse in Kathmandu, Nepal)

Nicht nur Elon Musks Image als Trumps Speichellecker setzt der Marke Tesla zu – die Konkurrenz ist zudem einfach besser. Schon im vergangenen Jahr zeichnete sich ab, dass der chinesische Produzent BYD den US-Konzern auf dem Weltmarkt überholt. Um 34 Prozent konnte der Gewinn auf 5,1 Milliarden Euro gesteigert werden, der Umsatz lag erstmals über 100 Milliarden – und damit über jenem von Tesla. 4,25 Millionen Fahrzeuge wurden verkauft, darunter 1,6 Millionen reine Stromer. Tesla brachte weltweit lediglich 30.000 Autos mehr an den Kunden. Es besteht kaum ein Zweifel, dass BYD im laufenden Jahr endgültig die Führungsposition auf dem Weltmarkt für E-Autos übernehmen wird.

Der Konzern aus Shenzhen profitiert bei seiner Expansion von einem starken Heimatmarkt, die Nachfrage nach E-Autos in der Volksrepublik ist riesig. International sorgt eine breite Produktpalette für steigende Absatzzahlen. Während Tesla auf Premiumfahrzeuge für betuchte Kunden setzt, hat BYD auch Elektrofahrzeuge für kleinere Geldbeutel im Programm. Und das sind keine Billigautos, denn auch die günstigen Modelle verfügen über eine Ausstattung und Assistenzsysteme, die auf Europas Straßen als Luxus durchgehen. Ein großer Vorteil für die chinesische Firma besteht zudem in der eigenen Batterieproduktion. Das spart Kosten und sorgt in Zeiten fragiler Lieferketten für mehr Planungssicherheit. Auch bei den Innovationen hat BYD die Nase vorn, wie das neue Megawatt-Ladesystem zeigt, durch das in fünf Minuten genügend Strom getankt werden kann, um damit 400 Kilometer weit zu fahren. Die Leistungsfähigkeit dieser Säulen übertrifft damit jene von Teslas Superchargern – dem bisherigen Topstandard – um das Doppelte.

Im laufenden Jahr will BYD weltweit sechs Millionen Fahrzeuge verkaufen. Die Dominanz auf dem Heimatmarkt wird dabei eine wichtige Rolle spielen. International soll insbesondere in Europa in den Kampf um Marktanteile investiert werden. In der BRD baut der Konzern gerade sein Händlernetz aus, neue Fabriken sind in Ungarn und in der Türkei geplant. Insider berichten zudem über Pläne für eine Produktionsstätte in Deutschland, in der künftig jedes Jahr 500.000 Autos für den europäischen Markt vom Band rollen sollen. Auch die neuen Ladesäulen werden bald im großen Stil installiert, zunächst in China, in den kommenden Jahren auch in Europa. »Es ist eine Revolution: Das Laden von E-Autos wird genau so schnell wie die Fahrt zur Tankstelle«, kündigte BYD-Vizepräsidentin Stella Li in einem Interview mit AFP an.

Der Konkurrent aus China ist auf der Überholspur, die tiefe Krise des großen Konkurrenten Tesla dürfte die Nachfrage nach E-Autos aus der Volksrepublik weiter steigern. Auch vor diesem Hintergrund argumentieren Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöffer, der Absturz Teslas sei »zeitnah nicht zu stoppen«. Anders als die innovationsstarke Konkurrenz habe man es schon in den vergangenen Jahren versäumt, die Entwicklung auf neue Modelle auszurichten. Zudem gebe es kaum Spielräume, die Kosten zu senken und so Wettbewerbsvorteile zu ergattern.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (28. März 2025 um 01:23 Uhr)
    … und wo kriegt BYD die Megawatts her? Von der IGM, die für billigen Industriestrom sorgt? Aus der Steckdose, so wie ich? Allerdings ist die Anschlussleistung meines Häuschens auf 0,035 Megwatt beschränkt und eine Steckdose sollte ich für längere Zeit nicht mit mehr als zwei Kilowatt beaufschlagen.

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