Dein roter Faden in wirren Zeiten
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Dein roter Faden in wirren Zeiten
Aus: Ausgabe vom 22.02.2025, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage

Der Robert mit den Klößen

Eine Lücke, die nicht geschlossen werden kann. Über das Phänomen Habeck
Von Jürgen Roth
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»Ein Renommist, das ist ein Mann, / Der viel verspricht und wenig kann.« – Erich Kästner

Wo anfangen? Einfach »anfangen!« (Robert Habeck)

Zu Befehl.

So muss man reden können (die Quellen sind vielfältig, die Auswahl ist zufällig): »Vielleicht wird ein Funke daraus, der das Land wieder nach vorne trägt«; »Ich würde auch ein bisschen abschichten«; »die ungleiche Solidarität«; »eine komplexe Angelegenheit, die viele Bedingungen erfüllen muss«; »Muster, die geahndet werden müssen«; »Das sollte aufgegleist werden«, um es schließlich »durchzustimmen«, und zwar »in der Parlamentie«; »am Bruch mit der Tradition der Republik passiert«; »Die Baugenehmigungen steigen auch« – in »unserem Standout«, »nach innen, inbound«; »aus diesen Morden mehr Sicherheit schaffen«; »Wir sind auf Zuwanderung eingewiesen«; »Punkte, die von mir eingeblendet wurden«; »der nächste Schritt einer europäischen Einheit«; »Unsere strategische Souveränität müssen wir erhöhen«; »Dann erhöht es die Lücke, die nicht geschlossen werden kann«; »wohin Technologietransfers fließen«; »Infrastruktur beschleunigt«; »ein- und ausspeichert«; usf.

Heißt er nun Habeck – oder doch Merkel?

Es wagen sich in der Öffentlichkeit vermehrt Stimmen hervor, die unwidersprochen behaupten, Prof. Robby »russische Moleküle« Habeck kultiviere einen »schweren Zungenschlag« (FAZ). Der, who knows, stramm substanziöse Wuchtel jedenfalls hat eine massive Genus- und Kasusschwäche (»das Handlungslosigkeit«, »Mut für den Zukunft«, »Wir weichen der Debatte auf«), pflegt eine innige Inklination zu baerbockischen Neologismen (»unachtmerksamer«), hetzt Vokale und Verben wie räudige Hunde durch die Arena, kann keine vollständigen Sätze formen und schreddert jede stehende Redewendung, als Ausweis seiner Forderungen an die »Bildungsgebände« (Plenardebatte, 11. Februar).

Das meiste, was Quassel, der Bruchpilot, sagt, ist Rotz und Gequalle. »Wenn sich die Menschen zurückziehen, dann ist es vorbei mit Deutschland«, haspelt er im ZDF herum, was meint: »Durchhalten! Durchziehen!« Der ökonomische Niedergang, für den er nix und der Russe alles kann, habe andererseits, legt er dem staunenden Bundestag dar, »viel mit einer optischen Täuschung zu tun«, und da mag sich der eine oder andere geistig zurückgebliebene Rentner und Arbeitslose die trüben Äuglein reiben.

Der Mann ist eine durch und durch neuartige Zumutungsemanation, eine in der Geschichte der Bundesrepublik unerreichte Impertinenzinkarnation, stillos, haltlos über jede Schmerzgrenze hinaus, im Gestus stets grundlos übertrieben, ein Blender, ein Aufschneider, ein Simulant, eine »Flunkerkanone« (Habeck), eine Mogelpackung, eine quietschende Leerlaufapparatur, eine womit auch immer gefüllte Seifenblase – der Hypermoralist als Hyperheuchler katexochen.

Wo der Posterboy der Neogläubigen auftritt, schaut er aus und »argumentiert« er wie ein kamillenteeabhängiger Bahnhofsmanager über eine x-beliebige Sache, die sich »aus den nicht verabredeten, nicht gelösten Problemen nährt«. Seine Name ist Hypokrisie, sein politischer Existenzmodus der des Weggetretenseins auf der Schwundendstufe der Demokratie, sein Verhältnis zur Polis ein kultisches, das eines appellsüchtigen Pfaffen, eines aufpeitschenden Klerikers, eines tyrannischen Stellvertreters Gottes auf Erden. Deshalb schwindelt er schlicht, wenn er den Slogan emittiert: »Kanzler werden, Mensch bleiben«, ein Mensch wie Uschi und Ahmed.

»Dieser Mann«, hat R. D. Precht kürzlich geäußert, »der, wenn er einen Satz anfängt, meistens keine Idee hat, wie er ihn beenden will«, dieser Krausschädel und Meister des Galimathias sei »wunderbar unaufrichtig«. Indeed. Und es mutet an wie einst bei einem gegelten Freiherrn aus Oberfranken: Medien, die als solche nicht mehr zu bezeichnen sind, umgarnen unisono eine komplette Pfeife, eine riesige Null, bis sie ins gewünschte Amt aufgerückt ist, und dann werden sich die Miosgas aus der TV-Kloake und sonstige schleimtriefende Schnepfen à la Melanie Amann in den Redaktionen reihum auf die Schultern klopfen, weil es ein krass geiles Gefühl sein muss, die eigene Macht in diesem aufgedonnerten Nichts mit den verschatteten Rehpupillen und der sehr schön schräggelegten Birne widergespiegelt zu sehen.

Robert »Hüttl« Habeck weiß nichts, kann nichts und bringt nichts zustande – außer Scheiß und Stuss. Wolfgang Kubicki, den man nicht bevorzugt zitiert, meckerte unlängst, Robert, »der Gesalbte«, habe »von nichts eine Ahnung«, und das war höflich formuliert. Auf den angeblich ehemaligen Legastheniker Habeck, der seine Schreib- und damit eklatante Denkschwäche nicht ablegen konnte, da sich Legasthenie nicht ablegen lässt, passt halt allzugut Erich Kästners Gedicht »Die Sache mit den Klößen«: »Der Peter war ein Renommist. / Ihr wisst vielleicht nicht, was das ist. / Ein Renommist, das ist ein Mann, / Der viel verspricht und wenig kann.«

Bevor ihn auf Grund seines rhetorischen Reizdarms der nächste Verbaldiarrhöeschub ereilt, kann er immerhin, durchdrungen vom – seiner nach dem Peter- und dem Gefolgschaftsprinzip organisierten Partei zutiefst inhärenten – Eros der Repression, schockweise Strafanzeigen wegen staatszersetzender Majestätsbeleidigungen unterzeichnen. Der »Mimoses, der die Deutschen ins gelobte Land führen will« (Kay Sokolowsky, Konkret 2/2025), versteht »die DNA des Grundgesetzes« halt nicht im Sinne eines »vulgären Freiheitsverständnisses« (Habeck), sondern in seiner widerwärtig gespielten Betroffenheit nach Maßgabe des autoritären Habermas-Geschwätzes vom »demokratischen Konsensraum«, das besagt: Wer mir nicht folgt, der wird verfolgt. Der einzige Sprechakt, den der Bundeswirtschaftsflegel kennt, ist jener der Drohung, der Einschüchterung.

Da entbehrt es nicht der Folgerichtigkeit, das eigene Konterfei leniriefenstahlübergroß ans Münchner Siegestor an Old Adis ehemaligem Aufmarschgelände projizieren zu lassen (»Bündniskanzler. Ein Mensch. Ein Wort«), um den ganzen megalomanisch-schamlosen Schmutz hernach höhnisch als »kleine, freche Piratenaktion« zu feiern, parallel eine brunzdumme Petition gegen Elon Musk zu inszenieren und sich, Titan und obszöner Gockel, der man ist, sogleich auf Social Media als Spaziergänger in Auschwitz (mit in den Manteltaschen vergrabenen Händen) präsentieren zu lassen. Super Move, Robert!

Spätestens jetzt hätten vorgeblich linke Vereinigungen, Opferverbände und die Reste der bürgerlichen Presse kundtun müssen: Es reicht! Statt dessen hofierten etwa die FAZ und, horribile dictu, das Sturmgeschütz Der Spiegel den fleischgewordenen Wahn, diesen Ekelproppen mit »Orwellschen Qualitäten« (Habeck), auf ihrer Homepage durch (gewiss bestens bezahlte) kolossale Banner: »JETZT ODER DIE! Sie haben mehr Auswahl als Merz und Scholz. Grün wählen für: Habeck.«

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Super Move, Robert! Mimoses führt uns ins gelobte Land

»Dem Sieg geweiht – Vom Krieg zerstört – Zum Frieden mahnend«, so steht’s auf dem Siegestor. Hüttls Interpretation: L’État, c’est moi, der öffentliche Raum gehört uns, den Grünen (ihr anderen, ihr verpisst euch gefälligst hurtig!), und wär’ das irgendwie Stalin- oder Hitler-Kult: Wir scheißen die Wand an, der Triumph ist uns gewiss, horrido!

Auf dem jüngsten Parteitag pries die Bundesaußenverweserin ihren Laden »als moderne Sicherheitspartei, als moderne Regierungsverantwortung« an und spie ins Rund: »Wie soll unsere Bundesregierung angeführt werden? (…) Dafür braucht es einen Menschen wie Robert Habeck!«

Den braucht’s, fürwahr – diesen Übermenschen, der »gesellschaftszersetzende Phänomene« (Kooperationsdenkerin Esken), die, als Meinungen, ein »systemisches Risiko« (Ko-Kooperationsdenkerin Giffey) darstellen, mit seinem Küchentischpullover für neunhundert Euro erstickt, mithin etwaige Demokratiebrandherde zum Erlöschen bringt, damit endlich der Deppenparagraph 5 GG auf der Müllhalde landet, die wir fürderhin sortenrein sortieren.

Knuddelrobert hat »starke Vorstellungen« (Peter Merg). Der offenbar ab ovo entgleiste Superintellektuelle und -durchblicker rutscht, zu unserem Glück, auf einer, seiner, meterdicken »Gesinnungsschicht« (Gottfried Benn) ungebremst hinab. Habecks »Gesinnung ist offensiv« (Kai Dittmann, Sky, Bundesliga), weshalb er bei passender oder unpassender Gelegenheit mit mindestens Hegel daherrumpelt (»Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug«), den er, soviel darf seit der Untersuchung seiner hochstaplerischen Doktorarbeit angenommen werden, ebensowenig gelesen hat wie »Hanni und Nanni«: »Wenigstens muss es darum gehen, möglichst früh in der Dämmerung aufzusteigen und möglichst hoch« (Haby Habermas) – um stante pede im Sturzflug auf den eigenen Holzkopf zu krachen.

»Aus dem Eulenblickwinkel des Minervaflugs« (Habeck) eines narzisstischen Meinungspolizisten, eines Nepotisten mit gewaltig überblähtem Ego, eines arroganten Mobbinggenies, das, schmeißt es einem Subalternen nicht gerade voller Verachtung seine bekloppte Studienratstasche vor die Füße, »immer nur unheimlich betroffen« (Habeck) dreinblickt, operiert man notgedrungen hart »am Rand der Wirklichkeit«, die dich umzingelt, Hegel hin, Hegel her, Hegel vor und zurück.

Der »Kanzler der Menschen« hat im Zuge des Atomausstiegs gelogen wie zweihundert Presselumpen zusammen (Kästner: »So war es immer: Peter log, / Dass sich der stärkste Balken bog. / Und was das Schlimmste daran war: / Er glaubte seine Lügen gar!«). Er hat Mitarbeiter in seinem Ministerium, die deviante Ansichten vertraten, bespitzeln lassen.[1] Er hat Menschen, die malochen gehen und, im Gegensatz zu ihm, produktiv sind, zu Testmaterial erniedrigt, an dem man ausprobieren wollte, ob sie sich via Heizungsgesetz enteignen lassen.

Das muss man ihm zugestehen: Im Rausch der Unantastbarkeit hat der semiautistische Machtjunkie, der Diktator im Flauschigewand, Milliarden von Steuerklößen in den Orkus geballert (und bestimmt dabei »strukturell hinterfragt«). »Ideologie kann eigentlich nur noch die Wirklichkeit sein in unserer Zeit«, schnabelte er am 13. Februar in der Sendung »Klartext« im ZDF offenbar selbstinduziert vor sich hin.

Wie eine betrunkene Ente watschelt Roberto Habockissimo mit seinem bescheuerten Börne-Preis-Bembel, zu dessen Verleihung ihm der FAZ-Herausgeber Kaube – der Habeck noch dazu erkoren hatte – gratuliert hatte, seit geraumer Zeit durch die Welt. Franz Mehring hatte 1911 über Ludwig Börne geschrieben: »Es gibt im öffentlichen Leben nicht leicht ärgere Jesuiten als die bornierten Radikalen, die, mit ihrer Tugendhaftigkeit protzend, vor den ärgsten Verleumdungen nicht zurückzuscheuen pflegen.«

Wenigstens konterkarierte die FAZ – als einziges der sogenannten Qualitätsblätter – im Januar punktuell ihren jahrelangen Götzendienst an dieser Bundesnulpe. Christian Geyer sezierte in seinem brillanten Artikel »Wird Habeck von Trump genug beachtet?« »den habecktypischen Platitüdenschwall« über »Werte« etc. (erst jüngst in der »Wahlarena«: »die Werte, die wir hier aufgebaut haben«) sowie einen Habitus, der von nichts als Irrsinn zeugt: »Analysiert man Habecks analytische Simulation bei ›Maischberger‹, so ist zu vermelden: gehetzt und stoßweise vorgebracht, grammatisch oft radebrechend, inhaltlich im Ungefähren lavierend, immer wertebezogen, selten detailbezogen. Man nennt es auch Geschwätz, hier näherhin: klügelndes Geschwätz« – nicht bloß börne­preis-, sondern literaturnobelpreiswürdiges Geseich. Weiter: »Habeck setzte bei ›Maischberger‹ sein groß angelegtes Ablenkungsmanöver von der Vernachlässigung seiner wirtschaftlichen Amtspflichten fort. Er spricht über alles und jedes, reißt eine Baustelle nach der anderen auf, damit nur ja nicht Fragen zu seiner Fachkompetenz namhaft gemacht und ins Kraut schießen können. (…) Bloß nicht dazu kommen lassen, dass Kritiken zitiert werden, dass auch andere noch einmal erfahren, was gegen ihn vorgebracht wurde. Lieber monologisieren, Sätze abschneiden, das Gegenüber gar nicht zu Wort kommen lassen. (…) Habeck hält es bei Spotlicht nicht aus, sich etwas sagen lassen zu sollen. Er flippt dann regelrecht aus, überkompensatorisch sich über Nichtgefragtes auslassend.«

Den Russen wird der transatlantische Strichpunktversager mit »seinem japsenden Dilettantismus« und seiner »Wesensschau, wie alles mit allem zusammenhängt« (Geyer-Hindemith), gleichwohl in die Knie zwingen. »Dreieinhalb Prozent unserer Wirtschaftsleistung« seien »für Verteidigung nötig«, grölt respektive wispert der »Soldat des Vorwärts« (Ludwig Marcuse) zart und mit neckischem Augenaufschlag, koste es, was die Großbanken hergeben wollen, denn Hochrüstung ist, die EU hat’s bestätigt, Klimaschutz.

Der tapsig-patzige Knödelrobby, ein »Lichttupfer« (Habeck) am düsteren Firmament – mit einem »animalischen Grunzen« (Habeck im Bundestag) entbieten wir ihm: »Wenn Sie wüssten, wie gemäßigt ich bin, dass ich Sie toleriere!«

Gern wäre man eine Sonnenblume. Der Stieglitz äße sich an dir satt und flöge alsdann hinfort.

Anmerkung

    1
  1. Beides lässt sich nachlesen: ersteres im Bericht des Bundestagsuntersuchungsausschusses, zweiteres etwa in den Recherchen von Zeit und Handelsblatt, jW

Jürgen Roth, Jahrgang 1968, ist Schriftsteller und Sprachwissenschaftler. Er ist regelmäßiger Autor des jW-Feuille­tons und einziger Träger der jW-Ehrennadel für hervorragende Sportberichterstattung. Zuletzt erschien von ihm an dieser Stelle in der Ausgabe vom 24./25. August 2024 »Bornheim, Fünfundzwanzig, Wetter mild« über Ror Wolf als Sänger des FSV Frankfurt.

Teil zwei von Barbara Eders Reportage »Der Riss in der Plakette« erscheint hier am 1./2. März.

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  • Leserbrief von Siegfried Späth aus Ulm (24. Februar 2025 um 16:26 Uhr)
    Bravo, ein genialer Artikel von Jürgen Roth, besser kann man den größenwahnsinnigen Habeck nicht beschreiben. Macht bitte aus den Artikeln von Jürgen Roth gesammelte Broschüren/Bücher zum nachlesen, z. B. »Zeitkapseln des Monats«o. Ä..
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (22. Februar 2025 um 09:28 Uhr)
    Die Kanzlerwerdung des Habeck wird ja wohl nix, folgt man den Umfragen zur Wahl. Seinen Slogan umemittieren in: »Mensch werden, Habeck bleiben«? Daran könnte er ein paar Jahre arbeiten. Statt auf dem Jakobsweg bei einem kontemplativer Gang an der Hafenspitze in Flensburg der quellenden Quallen Qualen quacksalbernd quasselnd quantifizieren.

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