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Aus: Ausgabe vom 24.02.2025, Seite 2 / Ausland
Palästina

Israel schickt Panzer in Westbank

Palästina: 40.000 Palästinenser aus nördlichem Westjordanland vertrieben. Netanjahu stoppt Übergabe von 620 Gefangenen
Von Mawuena Martens
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Waren hier zuletzt zu Zeiten der zweiten Intifada: Israelischer Panzer am Sonntag bei Dschenin

Erstmals seit 2002 ist Israel wieder mit Panzern in das besetzte Westjordanland eingedrungen. Am Sonntag kursierten Bilder von drei Panzern, die bei Dschenin im Einsatz waren. Die israelische Armee bestätigte in einer Mitteilung auf der Plattform X, dass eine Panzereinheit in der Stadt »als Teil der Angriffsbemühungen vorgehen« werde, wie AFP berichtete. Verteidigungsminister Israel Katz teilte zudem mit, er habe das Militär angewiesen, sich auf einen »längeren Aufenthalt« vorzubereiten. Die »Operationen« in den palästinensischen Flüchtlingslagern von Dschenin, Tulkarem und Nur Al-Schams im nördlichen Westjordanland sollten ausgeweitet werden. 40.000 Palästinenser seien aus den Lagern bereits vertrieben worden, berichtete Reuters am selben Tag. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNRWA sei zudem angewiesen worden, seine Aktivitäten in den Lagern einzustellen. Am Donnerstag waren in Tel Aviv drei Busse explodiert, ohne dass dabei jemand zu Schaden kam. Premierminister Benjamin Netanjahu nutzte dies als Vorwand und kündigte einen »intensiven« Militäreinsatz in dem besetzten Gebiet an.

Ebenfalls als Vorwand nutzte er am Wochenende »demütigende« Hamas-Inszenierungen bei der Übergabe von Geiseln, um die für Sonnabend geplante Freilassung von 620 palästinensischen Gefangenen zu stoppen. Sein Land sei bereit, die Kämpfe im Gazastreifen »jederzeit« wiederaufzunehmen; man erreiche die Ziele des Krieges »auf dem Verhandlungsweg oder mit anderen Mitteln«, zitierte ihn Al-Dschasira zudem am Sonntag. Zuvor hatte die Hamas, wie in dem Waffenruhedeal zwischen den beiden Kriegsparteien vereinbart, sechs von ihr als Geiseln im Gazastreifen festgehaltene Menschen freigelassen. Die Organisation veröffentlichte auch ein Video, in dem zu sehen war, wie die zwei weiteren Geiseln Evyatar David und Guy Gilboa-Dalal sich die Geiselübergabe als Zuschauer ansehen und dabei Netanjahu anflehen, ihre Freilassung zu erwirken. Nach Bekanntgabe der Verletzung des Abkommens durch Israel sagte der hochrangige Hamas-Vertreter Bassem Naim am Sonntag gegenüber AFP, Israel setze durch sein Handeln »das gesamte Abkommen großer Gefahr« aus.

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