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Aus: Ausgabe vom 02.04.2025, Seite 6 / Ausland
Bolivien

Morales gründet Bewegung

Bolivien: Vor Präsidentschaftswahlen geht Exstaatschef mit Anhängern eigenen Weg
Von Volker Hermsdorf
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Nicht alle spielen nach seiner Flöte, aber Präsident möchte er trotzdem wieder werden: Morales am Sonnabend in Villa Tunari

Boliviens Linke ist endgültig gespalten. Vier Monate vor den für den 17. August angesetzten Präsidentschaftswahlen haben die Regierungspartei Bewegung zum Sozialismus (MAS) und der ehemalige Präsident Evo Morales am Wochenende betont, dass sie mit jeweils eigenen Kandidaten antreten.

Der 2019 durch einen Putsch gestürzte Expräsident Morales (2006–2019) kündigte dafür am Montag (Ortszeit) vor Hunderten seiner Anhänger in der zwischen den Großstädten Cochabamba und Santa Cruz gelegenen Ortschaft Villa Tunari die Gründung einer eigenen Bewegung mit dem Namen »Evo Pueblo« an. Morales, der gemäß der Verfassung eigentlich nicht erneut antreten darf, kandidiert nun für die Wahlen im August im Bündnis mit der indigenen Linkspartei Frente para la Victoria (FPV) als Präsidentschaftskandidat. Nach einem Zerwürfnis mit dem derzeit von der MAS gestellten Staatschef Luis Arce war Morales aus der von ihm 1997 gegründeten Regierungspartei ausgetreten. In einer Entschließung forderten die Delegierten in Villa Tunari nun sogar die Einleitung von Ermittlungsverfahren wegen Korruption gegen Arce, dessen Familie und Minister.

Unbeeindruckt von den bereits zuvor erhobenen Vorwürfen hatten der Präsident, sein Vize David Choquehuanca und weitere MAS-Anführer am Sonntag auf einem Kongress in La Paz eine Änderung der Statuten beschlossen, um die »Erneuerung« der Regierungspartei voranzutreiben. Damit solle unter anderem die Einbeziehung sozialer Organisationen und jüngerer Aktivisten in die Arbeit – der mit über einer Million Mitglieder größten Partei des Landes – ermöglicht werden, hieß es. In den kommenden Wochen würden dann die Kandidaten für die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im August festgelegt. »Es ist wichtig, der Jugend auf kommunaler, regionaler oder nationaler Ebene mehr Raum zu geben, um neuen Führungspersönlichkeiten den Weg zu ebnen«, erklärte Arce. Zugleich warf er den Morales-Anhängern im Parlament eine »Blockade und Sabotage« seiner Politik vor, von der letztlich nur die rechte Opposition profitiere.

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