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Von Jörg Kronauer
Entsetzen, Kursstürze und Aufrufe zu Gegenmaßnahmen: Das waren international die ersten Reaktionen auf die beispiellosen Zölle, die US-Präsident Donald Trump am Mittwoch hochgezogen hatte. Während Politiker und Ökonomen überall bekundeten, sie hätten zwar mit der Verhängung hoher US-Zölle gerechnet, aber nicht mit ganz so krassen, stürzten Aktienindizes weltweit ab.
Der Dax lag am Donnerstagmittag bei satten minus 2,3 Prozent; der japanische Nikkei endete bei minus 2,8 Prozent; Vietnams Hauptindex brach gar um 6,7 Prozent ein. Die ING-Bank senkte die Wachstumsprognose für die Euro-Zone von 1,4 auf nur noch ein Prozent. Auf allen Kontinenten wird mit empfindlichen Verlusten gerechnet, da Trump allen Ländern weltweit Importzölle von zehn Prozent auferlegt hat – mit Ausnahme von Mexiko und Kanada, die schon anderweitig Zölle zahlen. Einfuhren aus 56 Ländern und der EU werden zudem mit noch weitaus höheren Zöllen belegt.
China kündigte Gegenmaßnahmen an. Trump hat auf sämtliche Einfuhren aus der Volksrepublik Zölle in Höhe von 34 Prozent verhängt; sie kommen zu den bereits zuvor auferlegten 20 Prozent hinzu. Konkretisiert wurden die chinesischen Gegenmaßnahmen aber noch nicht. Dies trifft auch auf die Pläne der EU zu, deren Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zwar ebenfalls erklärte, man werde sich zur Wehr setzen, die aber einräumen musste, in Brüssel sei man erst dabei, die Maßnahmen »zu finalisieren«, mit denen man auf die am 12. März in Kraft getretenen Stahl- und Aluzölle reagieren wolle. EU-Ratspräsident António Costa rief dazu auf, die Handelsbeziehungen zu diversifizieren, um auf lange Sicht die Abhängigkeit vom US-Geschäft zu lindern. Darauf arbeitet auch Kanada hin.
Besonders schwer treffen die Zölle zahlreiche Länder Afrikas und Asiens. Einfuhren aus afrikanischen Staaten belegte Trump mehrheitlich mit Zöllen von zehn Prozent, in manchen Fällen aber auch mit tendenziell vernichtenden Zöllen von 30 Prozent (Südafrika), 47 Prozent (Madagaskar) oder 50 Prozent (Lesotho). Wie es dort verstanden wird, dass Trump den Tag der Zollverhängung »Liberation Day« nannte, kann man sich ausmalen, zumal er den Ländern Afrikas schon zuvor Entwicklungs- und Hilfsgelder gestrichen hatte.
In Asien treffen die Zölle vor allem enge Verbündete wie Japan (24 Prozent), Südkorea (26 Prozent) und Taiwan (32 Prozent), deren Spielraum zur Gegenwehr begrenzt sein dürfte, aber auch Länder wie Indien (27 Prozent) und Vietnam (46 Prozent), die Washington in seinen Machtkampf gegen Beijing einzuspannen sucht und in die diverse westliche Konzerne, darunter Apple, ihre zuvor in China angesiedelte Produktion teilverlagert hatten, um dort bereits vor Jahren verhängte US-Zölle zu umgehen. Die Länder Asiens werden – ähnlich wie Deutschland – um so härter getroffen, als ihre Wirtschaft stark exportorientiert ist.
In den USA regt sich mit Aussicht auf zollbedingt steigende Preise Unmut. Erstmals kam es im US-Senat zu einer kleineren Revolte: Mit Stimmen von vier Republikanern gab es dort eine Mehrheit für den Antrag, die Zölle gegen Kanada aufzuheben. Der Antrag dürfte im Repräsentantenhaus scheitern; er lässt aber eine langsam wachsende Unruhe bei Republikanern über Kollateralschäden der Trumpschen Politik für das eigene Land erkennen.
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