Dein roter Faden in wirren Zeiten
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Aus: Ausgabe vom 05.04.2025, Seite 8 / Ansichten

Krise durch Abhängigkeit

Gesundheitsbericht der Afrikanischen Union
Von Jörg Tiedjen
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Impfprogramm in Ghana: Die Vakzine werden dank ausländischer Förderung per Drohnen geliefert (23.4.2019)

Der Gesundheitssektor in den afrikanischen Ländern liegt am Boden. Zwei Jahrzehnte des Aufbaus könnten umsonst gewesen sein, wenn nicht rasch gehandelt werde. So sieht es die für diesen Bereich zuständige Behörde Africa CDC der Afrikanischen Union (AU) in einem aktuellen Bericht. Der Grund für die »existentielle Krise« wird klar benannt: Es ist die »untragbare Abhängigkeit« von westlichen Geldgebern. Wohlgemerkt nicht allein von Washington, das jüngst die Behörde USAID zerschlug, weswegen nun zahlreiche Gesundheitsprogramme wegfallen. Vielmehr haben die reichen Industrieländer seit 2021 ihre Hilfszahlungen um insgesamt 70 Prozent reduziert. Alle, nicht allein die USA unter Präsident Donald Trump.

Dieser tiefe Einschnitt kann aber gegenwärtig durch nichts ausgeglichen werden. Denn die Schulden der Länder Afrikas sind seit der Finanz-, der Corona- und zuletzt der Ukraine-Krise in schwindelnde Höhen angestiegen. Die Folge ist, dass die meisten Regierungen mehr an Zinsen zu entrichten haben, als ihnen für das Wohlergehen ihrer Staatsbürger bleibt. Das Ziel der Abuja-Deklaration der AU aus dem Jahr 2001, ganze 15 Prozent des Haushaltsvolumens der medizinischen Versorgung zukommen zu lassen, kann also nur von wenigen Mitgliedern erfüllt werden. Aktuell drei: Botswana, Kapverden und Ruanda.

Die Folgen sind bedrohlich, nicht nur wegen der zunehmenden Verbreitung gefährlicher Epidemien. Deren Zahl ist von 152 im Jahr 2022 auf zuletzt 213 im Jahr 2024 angestiegen. Dabei sind die afrikanischen Länder bei Impfstoffen zu 90 Prozent auf auswärtige Zulieferer angewiesen. Personal ist ebenfalls knapp. Das Fehlen von Ärzten ist auch eine Folge des Braindrains und der Emigration aus Afrika, die sich durch die Notlage auf dem Kontinent nur beschleunigen.

Aber was ist zu tun? Der AU-Gesundheitsbehörde fallen nur die üblichen »Lösungen« aus dem Handbuch des Neoliberalismus ein: Man setzt auf »gute Regierungsführung«, »innovative Finanzierungsformen«, Public Private Partnerships – oder es wird gar überlegt, die Überweisungen von Staatsbürgern aus dem Ausland anzuzapfen, die sich um ihre Angehörigen sorgen. Von einem Schuldenschnitt ist nicht die Rede. Ohne ihn wird es aber nicht gehen. Ein Vorbild wäre Sambia, das mit Hilfe Chinas zumindest einen teilweisen Nachlass erreichte.

Überhaupt könnten alternative Bündnisse eine Perspektive weisen. Gerade befanden sich die Außenminister der Sahelallianz aus Burkina Faso, Mali und Niger in Moskau, um ihre Kooperation mit Russland zu verstärken. Dabei ging es vor allem um die militärische Zusammenarbeit, aber auch um ökonomische Kontakte auf der Basis von »Partnerschaft und Gleichberechtigung«, wie es im offiziellen Statement hieß. Das ist zunächst nur eine Floskel. Doch es sind strukturelle Ungleichheiten, die Afrika benachteiligen und in die Katastrophe geführt haben.

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