Jagd auf Deserteure: Tödliche Zwischenfälle an ukrainischer Grenze

Odessa. Der ukrainische Grenzschutz hat nach eigenen Angaben einen Deserteur unweit der moldauischen Grenze erschossen. Dieser habe zuvor einen Grenzschutzbeamten angegriffen, behauptete der Sprecher der Behörde, Andrij Demtschenko, gegenüber dem Portal Ukrajinska Prawda. Demnach wurde am Sonntag abend eine Gruppe von vier Deserteuren in einem Auto an einem Kontrollpunkt etwa 15 Kilometer vor der Grenze angehalten. Zwei sollen versucht haben, zu fliehen. Später habe einer der beiden Widerstand geleistet und sei nach einem Warnschuss an den Folgen eines zweiten direkten Schusses gestorben.
Angaben der staatlichen Ermittler zufolge ist die Gruppe von einem Übungsplatz im Gebiet Odessa geflohen und war auf dem Weg in Richtung Transnistrien. Der Rest der Gruppe sei festgenommen worden.
Laut Demtschenko wurden Grenzer bereits mehrfach zum Schusswaffeneinsatz gegenüber Kriegsdienstverweigerern »gezwungen«. Details nannte er nicht. Ende Juni waren im Gebiet Tscherniwzi zwei fliehende, wehrpflichtige Zivilisten an der rumänischen Grenze von Beamten angeschossen worden, nachdem sie angeblich mit einer Machete auf diese losgegangen waren. Einer der beiden Flüchtenden starb dabei an den Schussverletzungen.
Auch ein anderer mutmaßlicher Fluchtversuch in Richtung Moldau endete tödlich. Rettungskräfte zogen im Gebiet Winnyzja die Leiche eines Mannes aus dem Grenzfluss Dnister. Der Flüchtling hatte Reisepass und Telefon in wasserdichte Tüten verpackt, erreichte das Ufer aber nicht. Immer wieder sterben Flüchtlinge in Grenzflüssen.
Nach Angaben des Grenzschutzes ist zudem eine Gruppe von 27 Wehrpflichtigen im Gebiet Odessa auf dem Weg nach Transnistrien gestoppt worden. Die Männer haben demnach umgerechnet zwischen über 3.600 Euro und mehr als 6.400 Euro an Fluchthelfer in Kryptowährung bezahlt. Auch im Transkarpatengebiet an der Grenze zu Ungarn wurden am Ufer des Grenzflusses Tyssa (Theiß) zwei Männer festgenommen.
Wehrpflichtige Ukrainer versuchen verstärkt, sich durch Flucht dem Kriegsdienst zu entziehen. Der Grenzschutz errichtet deswegen auch an den Westgrenzen zunehmend Stacheldraht-Zäune, um die Männer an der Flucht zu hindern. (dpa/jW)
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