Vorstoß in Syrien
Von Nick Brauns
Israelische Bodentruppen haben in der Nacht zum Dienstag ihren bislang tiefsten Vorstoß auf syrisches Territorium durchgeführt. Von Drohnen und Helikoptern unterstützte Spezialeinheiten eroberten oder zerstörten leerstehende Stellungen früherer Regierungstruppen zwischen den Bezirken Kuneitra und Deraa. So sollte offensichtlich verhindert werden, dass Truppen der neuen, aus der islamistischen HTS hervorgegangenen Regierung in Damaskus dort einrückten. Vor einer Woche hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Entmilitarisierung der südsyrischen Provinzen gefordert. Die israelische Armee hatte nach dem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad im Dezember eine »Pufferzone« entlang der Grenze erobert und das Besatzungsgebiet in den vergangenen Wochen ausgeweitet.
Dabei versucht sich Israel als Schutzpatron der in Südsyrien lebenden Minderheit der Drusen zu inszenieren. Auch mit Softpower wird versucht, die Drusen an Israel zu binden. So wurde es syrischen Drusen mittlerweile in einem Pilotprojekt ermöglicht, in Orten und auf Farmen der von Israel annektierten Golanhöhen zu arbeiten. Befördert werden Separationsbestrebungen von Drusen, Alawiten und Kurden indessen durch die islamistische syrische Regierung, die deren Autonomieforderungen zurückweist und den Minderheiten auch keine Repräsentanz im Komitee zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung einräumt.
Am Dienstag überfielen dschihadistische Milizen mit schweren Waffen das Viertel Al-Datur der als Hochburg der Alawiten geltenden Küstenstadt Latakia. Bis zu zehn Zivilisten, darunter mehrere Kinder, wurden dabei nach unbestätigten Meldungen getötet. Die Behörden sprachen von einer »Sicherheitsoperation« gegen »Gruppen von Überresten des alten Systems«, nachdem am Vortag zwei HTS-Kämpfer aus einem Hinterhalt getötet worden waren.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Paris (4. März 2025 um 21:32 Uhr)Der Al-Qaida »Ableger« HTS scheint eher bereit, Syrien und das Volk zu verraten, und Minderheiten anzugreifen und zu ermorden, als das Land zu schützen. Aber für letzteres besteht von den Auftraggebern dieser Pseudoislamisten auch kein Interesse.
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