Kampf um die Mikrochips
Von Karim Natour
Das taiwanesische Halbleiterunternehmen TSMC will in den kommenden Jahren 100 Milliarden US-Dollar in den USA investieren. Damit soll der Bau von fünf zusätzlichen Mikrochipfabriken finanziert werden, wie der TSMC-Chef C. C. Wei am Montag gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump in Washington bekanntgab. Das Unternehmen gab zunächst keinen Zeitrahmen für die Investitionen an. In den nächsten vier Jahren sollen aber 40.000 Arbeitsplätze im Baugewerbe geschaffen werden.
Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. ist der weltweit größte Chiphersteller und ein wichtiger Zulieferer für große US-Hardwarehersteller. Taiwans herausgehobene Stellung bei der Produktion von Mikrochips hat in der Vergangenheit in Washington Bedenken hinsichtlich der Abhängigkeit von der Insel vor der Küste der Volksrepublik China ausgelöst. »Wir müssen in der Lage sein, die Chips und Halbleiter, die wir benötigen, hier zu bauen«, erklärte Trump bei der Vorstellung der Pläne in der US-Hauptstadt. Das sei »eine Frage der nationalen Sicherheit für uns«. Fortgeschrittene Mikrochips sind zentral für Hightechgeräte wie Mobiltelefone und Autos bis hin zu Kampfjets sowie für künstliche Intelligenz (KI).
Die Chiptechnologie ist vor allem in der Rivalität um die technologische Vorherrschaft und dem Kampf der USA gegen drohende chinesische Überlegenheit zum Kampfplatz geworden. Im November 2024 hatte TSMC auf Anordnung aus Washington den Export bestimmter Halbleiter in die Volksrepublik China eingestellt. Dabei geht es um Teile, die für die Entwicklung von Hardware zum Betrieb von KI-Systemen verwendet werden. Dem niederländischen ASML-Konzern hatte Washington untersagt, seine modernsten Maschinen zur Halbleiterfertigung nach China zu verkaufen. Die Volksrepublik will die Abhängigkeit von ausländischen Unternehmen zur Chipreduktion verringern und bis zum Jahr 2025 70 Prozent der Produktion ins Inland verlagern.
Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump die Verlagerung von Produktionsstätten in die USA imitiert, um mögliche Risiken bei Lieferketten zu reduzieren. Unter Präsident Joe Biden wurde 2022 der »CHIPS and Science Act« verabschiedet, um Subventionen in Höhe von 52,7 Milliarden US-Dollar für die amerikanische Halbleiterproduktion und -forschung bereitzustellen. In dem Zusammenhang war in Arizona das erste TSMC-Werk in den USA errichtet worden, das 2024 seine Produktion aufnehmen konnte – allerdings zu deutlich höheren Kosten. Das sei »definitiv ein Problem für TSMC«, sagte Andrew Tsai, Vorsitzender des taiwanesischen Beratungsunternehmens Capital Investment Management Corp. gegenüber Reuters. Die in Taiwan notierten Aktien des Unternehmens fielen am Dienstag um zwei Prozent.
Aus Taiwan, welches gemäß der Ein-China-Politik als zur Volksrepublik zugehörig gilt, hieß es dazu, man werde die Investition prüfen. Es solle sichergestellt werden, dass TSMC »zwar seine Investitionen in den USA ausweitet, die fortschrittlichsten Prozesse aber in Taiwan verbleiben«, so eine Sprecherin des Präsidialamtes. Auslandsinvestitionen, die die Wettbewerbsfähigkeit Taiwans insgesamt erhöhen würden, sehe man aber positiv.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
- Brandon Bell/Pool Getty Images North America/AP/dpa11.01.2025
Trumps Triumph
- Liu Shu Fu/Taiwan Presidential/ZUMA Press Wire/imago07.12.2024
Beijing protestiert
- Angela Ponce/REUTERS15.11.2024
Peru wird globales Drehkreuz
Mehr aus: Kapital & Arbeit
-
»Sie wollen die Waren, und sie wollen sie billig«
vom 05.03.2025 -
Zoll um Zoll
vom 05.03.2025