Dein roter Faden in wirren Zeiten
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Aus: Ausgabe vom 05.03.2025, Seite 11 / Feuilleton
Philosophie

Holz aus dem Pool

Von Marc Püschel
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Nicht radikal genug? Hans Heinz Holz hätte euch was gehustet

Manchmal dauert’s etwas länger, bis die Verwerfungen der Pandemie überwunden werden. Nach einigen Jahren mit ausgefallenen, nur online veranstalteten oder schlecht besuchten Konferenzen konnte die Gesellschaft für dialektische Philosophie (GfdP) wieder eine sehr erfolgreiche Hans-Heinz-Holz-Tagung abhalten. Über 60 Teilnehmer kamen am vergangenen Sonnabend in die Karl-Liebknecht-Schule in Leverkusen, um sich über Politische Philosophie und dialektischen Materialismus auszutauschen. Begrüßt wurden sie von Jörg Zimmer, Philosophieprofessor aus Girona, der zugleich seinen Rücktritt als GfdP-Vorsitzender bekannt gab, aber künftig als Vorsitzender der Fondazione Centro di Studi Filosofici wirken wird.

Die Vortragsreihe eröffnete Jean Quétier von der Parti communiste français. Der künftige Mitarbeiter an der Marx-Engels-Gesamtausgabe sprach in perfektem Deutsch über Johann Gottlieb Fichte und seine Rezeption bei Georg Lukács. Eine gute Rekonstruktion der Hegelschen Rechtsphilosophie gab Mesut Bayraktar, der über Marxens frühe Artikel zum Holzdiebstahlgesetz auch dessen Kritik an Hegel berührte. Von Alfred Noll, der nicht aus Wien anreisen konnte, wurde ein Beitrag zum rechtsphilosophischen Denkeinsatz von Hans Heinz Holz vorgelesen. Einen eigenwilligen Advocatus Diaboli gab Marcus Döller von der Universität Erfurt, der teilweise sehr laut wurde, fast schrie. Bei Hegel zeige sich ein »geheimer Materialismus«, während Holz nicht radikal genug denke und »Differenz verschleife«. Inhaltlich blieb daran einiges so unklar wie die Sprachbilder von Döller, der »Holz in den Pool schubsen« wolle. Ihn da wieder herauszuholen, blieb Jörg Zimmer vorbehalten, der in der Diskussion einiges über Holz’ Widerspiegelungsmodell zurechtrückte. Wieder verständlicher wurde es mit Svenja Hauersteins gelungenem Referat über Holz’ dialektisches Verständnis von Sprachen. Mit grundsätzlichen Erläuterungen zu Sprachwissenschaften bot sie dem teils sehr jungen Publikum einen guten Einstieg – nicht zufällig war die anschließende Diskussion die lebhafteste. Die Aufzeichnungen aller Referate werden auf dem Youtube-Kanal der GfdP verfügbar gemacht.

Auf der Generalversammlung am Sonntag wurde Hannes A. Fellner, Sprachwissenschaftler und Professor an der Universität Wien, zum neuen GfdP-Vorsitzenden gewählt. Die Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr 2027 – in dem Holz’ 100. Geburtstag mit einer noch größeren Konferenz gefeiert werden soll – laufen.

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