LNG-Flop in Stade
Von Wolfgang Pomrehn
Während der neue US-Präsident sinniert, die Nord-Stream-Pipeline unter der Ostsee wieder in Betrieb gehen zu lassen, bahnt sich in der BRD der nächste LNG-Flop an. In Stade, am niedersächsischen Elbufer, sollte eigentlich längst angelandetes Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) verdampft werden, doch das dafür vorgesehene Spezialschiff »Energos Force« hatte seine Position verlassen und ankert derzeit vor Skagen, an der Nordspitze Dänemarks. Am 14. März war der 2021 gebaute Ozeanriese von fast 300 Metern Länge dort angekommen, zeigt die Plattform Vessel Finder.
Bereits im Januar war es aus Stade abgezogen worden, wo es seit März 2024 untätig lag. Die bundeseigene Betreibergesellschaft Deutsche Energy Terminal GmbH (DET) hatte Ende Februar lediglich mitgeteilt, dass das Schiff am 26. Januar Stade verlassen habe, um Platz für Baggerarbeiten am Anleger zu machen. Die »Energos Force« habe in der Außenelbe eine Warteposition bezogen. Skagen erreichte das Schiff allerdings von Wilhelmshaven kommend.
Hintergrund ist offenbar ein Rechtsstreit zwischen der DET und der in Stade ansässigen Hanseatic Energy Hub GmbH (HEH). Letztere ist für die landseitigen Anlagen wie Stromversorgung, Abnehmerarm für das Gas und ähnliches zuständig, während die bundeseigene GmbH die »Energos Force« wie auch entsprechende LNG-Schiffe in Wilhelmshaven und Brunsbüttel gechartert hat.
Die DET hat die Verträge mit der HEH nach Angaben verschiedener Zeitungen bereits im Januar gekündigt, schweigt sich selbst jedoch auf ihrer Webseite darüber aus. Es habe keinen Nachweis über die Fertigstellung der Anlagen gegeben, erklärte die DET gegenüber dem Stern. Das Projekt habe daher »keine Aussicht auf eine erfolgreiche Fertigstellung«. Die HEH hält dem entgegen, dass man seine Verpflichtungen sehr wohl erfüllt habe, dafür aber von der DET kein Geld sah, berichtet die Taz. Laut Stern gibt es noch Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium, um das Terminal doch noch in Betrieb zu nehmen.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist da eher skeptisch. Offensichtlich gibt es ohnehin erhebliche LNG-Überkapazitäten, nachdem auch in dem Terminal in Mukran auf Rügen im vergangenen Jahr kaum Gas entladen wurde. Das dortige Terminalschiff »Energos Power« wurde von der lokalen Bevölkerung erheblich kritisiert und Mitte März schließlich abgezogen, nachdem der private Betreiber den Chartervertrag gekündigt hatte. Im Januar hatte es noch Proteste der Anwohner gegeben, weil das laute Schiffshorn der »Energos Power« sie wiederholt um den Schlaf gebracht hatte.
Eine »Investitionsruine« nannte die DUH das Rügener Terminal bereits im Januar und sieht ähnliches nun in Stade. Ein dreistelliger Millionenbetrag sei vom Bund und dem Land Niedersachsen in den Sand gesetzt worden, heißt es bei den Umweltschützern. Der Bau fester Terminals, der in Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade bereits läuft oder zumindest geplant ist, müsse angesichts der erzielten Überkapazitäten umgehend gestoppt werden.
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