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Aus: Ausgabe vom 27.02.2025, Seite 5 / Inland
Arbeitskampf im Zugbau

Kürzungskurs bei Stadler Deutschland

1.200 Beschäftigte kritisieren Missmanagement bei außerordentlicher Betriebsversammlung. IGM kündigt Kampf an
Von Niki Uhlmann
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Standort mit Zukunft: IGM und Belegschaft haben genug Ideen, um Kosten zu sparen (Berlin, 26.2.2025)

Schon aus der Ferne fällt der grellgelbe, nagelneue U-Bahn-Waggon auf. »Bahnen aus Berlin für Berlin« lautet das Motto auf diesem Betriebsgelände von Stadler Deutschland. Zwischen alten Ziegelbauten und modernen Werkhallen hat sich die »Mannschaft«, wie das Kollegium sich untereinander nennt, vor einigen Zelten und einer Anlage der IG Metall (IGM) Berlin eingefunden. Der Betriebsratsvorsitzende Markus Gierloff begrüßt die Menge, sichtlich erfreut darüber, dass mit 1.200 Beschäftigten drei Viertel der gesamten Belegschaft an diesem Mittwoch zur außerordentlichen Betriebsversammlung erschienen sind.

Am Montag hatte die Geschäftsführung auf einer Belegschaftsversammlung laut Aufruf der IGM angekündigt, dass »harte Einschnitte« notwendig seien, um die »internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern«. Zwar glaube Stadler an den Standort, würden aber »jetzt keine Ergebnisse produziert«, stünde eine »Teilstandortschließung« an. Da die Chefetage weder konkrete Pläne noch genaue Zahlen genannt habe, bliebe für die Beschäftigten »alles unklar«, kommentierte Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IGM in Berlin.

Vor dieser Drohkulisse plane Stadler einen Mix aus Lohnverzicht, Zuschlagsbegrenzung und neuen Arbeitszeitregelungen, wie die Berliner Zeitung noch am selben Tag mit Verweis auf Interna berichtete. Dafür führte der Chef von Stadler Deutschland, Jure Mikolčić, demnach externe Gründe an, darunter pandemiebedingt eingebrochene Lieferketten, kriegsbedingt hohe Energiekosten und inflationsbedingte Lohnsteigerungen. Es müsse ein »signifikanter Arbeitnehmerbeitrag erbracht werden«, führte Jörg Nuttelmann, Chef des Standortes, aus. Die Bosse reden allem Anschein nach lieber mit der Presse als mit den eigenen Arbeitskräften.

Für die Belegschaft dürfte das blanker Hohn sein. »Viele Kollegen leisten bereits einen Arbeitnehmerbeitrag«, schallt es von der kleinen Bühne. Seit 20 Jahren gelte bei Stadler Deutschland ein Anerkennungstarifvertrag, der fünf Prozent weniger Entgelt und wöchentlich drei Stunden Arbeit mehr bedeute. Nur ein Fünftel aller Standortkosten seien Personalkosten. Solle gespart werden, müsse die Geschäftsführung nur auf die jahrelang ignorierten Verbesserungsvorschläge der Beschäftigten eingehen. »Anmaßend« sei es, wettert ein Beschäftigter, wenn die Bosse nun »die Raucherpausen als großen Faktor des Minusgeschäfts deklarieren«.

Gierloff nennt gegenüber jW ein paar Baustellen. Für »sehr viel Geld« sei »SAP eingeführt« worden. Nur habe man selbiges nicht optimiert, so dass Kollegen »heute mehr Aufwände als früher« hätten. Zudem brauche es eine langfristige Personal- und Technikplanung. Bei Ingenieuren wie Handwerkern klafften Lücken, während der Anspruch sei, einfach zu erfinden, was »der Kunde gerade braucht«. Die Geschäftsführung verweigere, die Ursachen der Probleme einzusehen, melde in der Schweiz aber: »Wir schaffen das schon.« Richtung Chefetage sagte der Betriebsratsvorsitzende darum: »Hören Sie wie vor 20 Jahren auf die Belegschaft, und nutzen Sie dazu die Arbeitnehmervertretung, den Betriebsrat.«

Würden Verhandlungen über Teilschließungen einmal aufgenommen, sei das »der Anfang vom Ende«, legte Otto die Position der IGM dar. Andere Zugproduzenten wie Bombardier und Alstom hätten ihren Beschäftigten mit Zukunftstarifverträgen Zugeständnisse abgepresst, die Standorte aber letztlich doch verlegt oder gänzlich dichtgemacht. Würde umgekehrt über »Standortsicherung« gesprochen, sei unter sechs Jahren keine Vereinbarung mit der IGM zu machen. Die Beschäftigten Stadlers hoffen, dass der Personalabbau bis Freitag vom Tisch ist, dass Sparpotentiale statt dessen gemeinsam ausgelotet und angegangen werden.

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