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Aus: Ausgabe vom 28.02.2025, Seite 7 / Ausland
Senegal

Historisches Abkommen

Senegal: Konflikt in der Region Casamance auf dem Wege der Beilegung. Entwicklungsplan durch Einstellung von US-Hilfen gefährdet
Von Bernard Schmid
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Siegreiches Gespann: Wahlkampf von Diomaye Faye und Ousmane Sonko in dessen Hochburg Ziguinchor (16.3.2024)

Der Ministerrat im westafrikanischen Senegal gab sich am Mittwoch zuversichtlich: »Der neue Plan für die nachhaltige Entwicklung der Casamance wird es mit dem wiedergefundenen Frieden ermöglichen, die Provinz wirtschaftlich zu entwickeln«, heißt es in einem von der Webseite Senego zitierten Kommuniqué. Am Sonntag hatten Premierminister Ousmane Sonko sowie Vertreter der Rebellion aus dem zeitweilig von separatistischen Aktivitäten geprägten Landesteil einen historischen Waffenstillstand geschlossen, der den dort bereits seit 1982 immer wieder aufflammenden Konflikt beilegen soll. Die im benachbarten Guinea-Bissau besiegelte Übereinkunft sieht unter anderem die Entwaffnung von Kombattanten, ihre Eingliederung ins Zivilleben und die Schaffung beruflicher Perspektiven für sie vor.

Die Region Casamance bildet die Südprovinz Senegals. In ihr leben rund 1,4 Millionen der insgesamt 18 Millionen Einwohner des Landes. Ihre Ökonomie ist weitgehend von Landwirtschaft, Waldnutzung und Fischfang geprägt, daneben bestehen auch Einnahmequellen im Tourismus. Aufgrund ihrer Lage als Enklave – die Region ist vom Rest Senegals durch das Staatsgebiet des englischsprachigen Nachbarn Gambia, das sich wie eine Landzunge in die frühere französische Kolonie Senegal hineinschiebt, abgeschnitten – bleibt die Region nach wie vor unterentwickelt. Der im Januar dieses Jahres durch Staatspräsident Diomaye Faye gestartete »Casamance-Plan« soll die sozioökonomischen Perspektiven jedoch verbessern helfen.

Premierminister Sonko ist Gründer der Regierungspartei »Afrikanische Patrioten für Arbeit, Ethik und Brüderlichkeit« (PASTEF), der auch Faye angehört. Vor dem Wahlsieg seines Parteifreunds Faye im März vorigen Jahres war Sonko zuletzt Bürgermeister von Ziguinchor, der größten Stadt der Casamance, wo er einen wichtigen Teil seiner politischen Basis und Hausmacht hat.

Die PASTEF-Partei hat im März 2024 erdrutschartig die damalige Präsidentschaftswahl gewonnen und bestätigte ihre neugewonnene politische Dominanz bei den Parlamentswahlen vom 17. November. Bei ihr sind progressive und antineokoloniale, daneben aber auch islamisch-konservative Aspekte aufgehoben – das Themenspektrum reicht von der Ablehnung der früheren französischen Militärpräsenz bis zur schärferen Bekämpfung von Homosexualität. Eine Verbesserung des materiellen Entwicklungsstands des Landes zählt auf jeden Fall zu den Kernanliegen seiner Wählerschaft, die starke Veränderungshoffnungen in den spektakulären Regierungswechsel im vorigen Jahr setzte.

1982 war der Konflikt in der Casamance erstmals in eine heiße Phase getreten, nachdem die damals noch von Staatpräsident Léopold Sédar Senghor geführte Regierung Protestdemonstrationen der »Bewegung der demokratischen Kräfte von Casamance« (MFDC) unterbunden hatte. 1982 war zugleich auch das Jahr des Auseinanderbrechens der vormaligen binationalen »Föderation Senegambien« mit Gambia, das die geographische Randlage der Südprovinz im Staatsverband verschärfte. Noch ist nicht ganz klar, ob mit dem Waffenstillstandsabkommen alle Konfliktherde ruhiggestellt werden. Denn in Guinea-Bissau vertreten war lediglich die »Südfront« des MFDC unter César Atoute Badiate, der zusammen mit dem Premierminister unterschrieb. Die »Nordfront« unter Salif Sadio stimmte der Vereinbarung jedoch bislang nicht zu.

Konsequenzen für die Lage vor Ort könnte aber auch die laufende Veränderung der politischen Verhältnisse in den USA zeitigen. Der seit gut fünf Wochen amtierende US-Präsident Donald Trump ging daran, die weltweit operierende Hilfsorganisation USAID weitgehend zu zerschlagen. Diese hat in der Vergangenheit mit dazu beigetragen, politischen Einfluss der USA im Rahmen des sogenannten Soft-Power-Konzepts aufrechtzuerhalten. Dazu finanzierte sie eine Reihe von im einzelnen unterschiedlich zu bewertenden Sozialprogrammen, aber eben auch Projekte etwa für die Eingliederung früherer Kombattanten. Deren Fehlen könnte sich nun finanziell bemerkbar machen.

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