Gewalt trifft Schwächste
Von Ina Sembdner
Der Einsatz sexualisierter Gewalt als Kriegswaffe beider Konfliktparteien im Sudan ist bekannt, dass die Opfer so jung sind, bislang nicht. Im vergangenen Jahr seien 221 Fälle von Vergewaltigungen von Minderjährigen angezeigt worden, heißt es in einem von UNICEF in der Nacht zu Dienstag veröffentlichten Bericht. Dabei seien 16 Opfer jünger als fünf Jahre gewesen, in vier Fällen habe es sich gar um einjährige Kleinkinder gehandelt. Etwa ein Drittel der Opfer war männlich, hieß es. Die UN-Organisation bezieht sich auf eine Datenbank lokaler Grupen, die Überlebenden sexualisierter Gewalt helfen.
Seit fast zwei Jahren tobt der von den paramilitärischen RSF unter Mohammed Hamdan Daglo losgetretene Krieg gegen seinen früheren Verbündeten, De-facto-Präsident Abdel Fattah Al-Burhan, um die Kontrolle des Landes. Getroffen wird vorrangig die Zivilbevölkerung: Zehntausende sollen getötet worden sein, Millionen befinden sich innerhalb Sudans oder in angrenzenden Ländern auf der Flucht. Und die sexualisierte Gewalt bedingt nicht allein physisches und psychisches Leid, hinzu kommen in der religiös-konservativ geprägten Gesellschaft Scham und Stigmata vor allem für Mädchen und Frauen. Einige Überlebende erklärten laut Bericht, dass sie infolge der Übergriffe schwanger wurden, was zu Ablehnung durch die Verwandten und zusätzlichen Schwierigkeiten führte.
Zu den Taten sei es teilweise bei der Eroberung von Städten durch bewaffnete Gruppen gekommen, teils auf der Flucht oder bei der Erledigung von Alltagsaktivitäten wie der Suche nach Feuerholz oder dem Gang zum Markt. Einige Mädchen und Frauen seien tagelang in Häusern festgehalten und Opfer von Gruppenvergewaltigungen geworden. Auch in Flüchtlingslagern seien Fälle von erzwungenem Geschlechtsverkehr im Austausch gegen Lebensmittel berichtet worden. UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell forderte in einer Erklärung: »Kinder im Alter von einem Jahr, die von bewaffneten Männern vergewaltigt werden, sollten jeden bis ins Mark schockieren und zum sofortigen Handeln zwingen.«
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Paris (4. März 2025 um 22:03 Uhr)Leider gibt es dieselben Verbrechen und pädophile Vergehen auch in und um Goma in der DRK. Für solche Taten gibt es keine »Entschuldigung«. Dennoch, was bringt eine Person dazu, Kindern ein solches Leid anzutun? Kriege enthumanisieren, aber so niedrige und ohne moralische, humane Hemmschwelle?
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