Dein roter Faden in wirren Zeiten
Gegründet 1947 Sa. / So., 29. / 30. März 2025, Nr. 75
Die junge Welt wird von 3005 GenossInnen herausgegeben
Dein roter Faden in wirren Zeiten Dein roter Faden in wirren Zeiten
Dein roter Faden in wirren Zeiten
Aus: Ausgabe vom 25.03.2025, Seite 10 / Feuilleton
Sexualisierte Gewalt

Depardieu vor Gericht

Seit Jahren werfen Frauen Gérard Depardieu sexuelle Übergriffe vor. Nun muss sich der französische Darsteller vor Gericht verantworten. Der Prozess, der aus Gesundheitsgründen verschoben worden war, verspricht brisant zu werden. Depardieus Anwalt gilt als streitlustig. Der am Montag beginnende zweitägige Prozess gegen den 76jährigen findet vor dem Strafgericht in Paris statt. Sollte er schuldig gesprochen werden, drohen dem Darsteller laut Pariser Staatsanwaltschaft Strafen, die bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug und zusätzlich 75.000 Euro Geldstrafe reichen. Zwei Frauen werfen Depardieu unter anderem vor, sie 2021 bei den Dreharbeiten zum Film »Les volets verts« (Die grünen Fensterläden) von Jean Becker gegen ihren Willen an intimen Stellen angefasst zu haben. Die erste Klägerin, eine Dekorateurin, gibt an, Depardieu habe sie in einem Korridor festgehalten, sie an Brust, Gesäß und Intimbereich berührt und obszöne Bemerkungen gemacht. Sie reichte im Februar 2024 Klage wegen sexueller Übergriffe, Belästigung und sexistischer Beleidigungen ein. Die zweite Klägerin ist eine Regieassistentin. Sie wirft Depardieu ebenfalls vor, sie am Filmset unsittlich berührt zu haben. Schon zuvor soll er ihr nachgestellt haben. Die Frau zeigte ihn im März 2024 an. Das Verfahren wurde zuletzt aus Gesundheitsgründen verschoben. Diesmal musste Depardieu medizinische Gutachten vorlegen. Die Verhandlungstage dürfen nun nicht länger als sechs Stunden dauern und müssen durch 15minütige Pausen unterbrochen werden. Depardieu hat seit über 25 Jahren Diabetes und erhielt einen vierfachen Bypass. Das Gericht verzichtete auf ein psychiatrisches Gutachten. Für die Verteidigung hat sich Depardieu den bekannten Strafverteidiger Jérémie Assous geholt, der in Frankreich durch spektakuläre Fälle von sich reden gemacht hat. Assous, bekannt für seinen provokativen Stil, war es auch schon, der im Herbst 2024 die Verschiebung des Prozesses erreicht hatte. Depardieu, der in über 200 Filmen mitgespielt hat, darunter »Cyrano von Bergerac« und »Asterix und Obelix«, bestreitet die Vorwürfe. Assous argumentiert, dass die Anschuldigungen »völlig erfunden« seien. Er verweist darauf, dass es keine direkten Zeugen der Vorfälle gebe. Seit Jahren schon melden sich immer wieder Frauen zu Wort, die Depardieu sexuelle Übergriffe bzw. Vergewaltigung vorwerfen. So hatte ihn 2018 die Schauspielerin Charlotte Arnould verklagt. Seit 2020 wird in diesem Fall ermittelt. (dpa/jW)

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Feuilleton