Ungarn verlässt Strafgerichtshof
Von Dieter Reinisch, Budapest
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat seinen viertägigen Besuch in Budapest begonnen. Am Donnerstag morgen empfing ihn Ministerpräsident Viktor Orbán mit militärischen Ehren in der Budaer Burg. Es ist der erste Besuch des Israelis in Europa seit 2023 und erst der zweite Staatsbesuch nach einer Visite in den USA, seitdem der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag im November vergangenen Jahres einen internationalen Haftbefehl wegen möglicher Kriegsverbrechen in Gaza gegen ihn ausgestellt hatte. Orbán hatte Israels Premier bereits am Tag nach der Verkündung des Gesuchs garantiert, dass er diesen nicht ausführen werde.
Bei den Begrüßungsfeierlichkeiten am Donnerstag verkündete Orbán, dass Ungarn den IStGH verlassen werde. Der Gerichtshof sei von seinem ursprünglichen Zweck abgewichen und zu einem »politischen Gremium verkommen«. Netanjahu, gegen den in Israel ein Prozess wegen Korruption läuft, begrüßte die »mutige und prinzipienfeste« Entscheidung: »Ich danke dir, Viktor. Es ist wichtig, dieser korrupten Organisation die Stirn zu bieten.« Ungarn ist das erste europäische Land, das das Weltstrafgericht verlassen will. Mit einem Austritt macht sich Ungarn dennoch nicht frei von der Pflicht, den Haftbefehl zu vollstrecken, und bricht somit Recht. Ein Austritt aus dem Grundlagenvertrag des Gerichts tritt erst ein Jahr nach Eingang der schriftlichen Austrittserklärung in Kraft. Aber auch danach bleiben die Verpflichtungen bestehen, die ein Vertragsstaat während seiner Mitgliedschaft übernommen hat. Demnach muss Ungarn weiter bei Ermittlungen mit dem Gericht zusammenarbeiten, weil diese vor dem Austritt begannen.
Netanjahu wird bis Sonntag in Ungarn bleiben. Ziel seines Besuchs sei laut israelischen Medienberichten, Orbán von der Unterstützung des Plans Israels und der USA zur Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung zu gewinnen. Wie aus Diplomatenkreisen in Budapest zu vernehmen ist, erhofft er sich auch ein ungarisches Veto gegen die Wiederaufbaupläne der EU für Gaza.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Rayan aus Unterschleißheim (3. April 2025 um 21:11 Uhr)Bewusst und öffentlich betriebene Strafvereitelung im Amt. Hätten wir tatsächlich rechtsstaatliche Systeme und nicht dieses verheuchelt-verlogene Unrechtsregime, was die »Rechtsstaats«-Vokabel nur als Propaganda zwecks Vertuschung der realen Verhältnisse ständig in seine Formen der Massenhirnwäsche einfließen lässt, gebe es jetzt den nächsten Haftbefehl gegen den braunen Autokraten, Antisemiten, Rassisten und Verbrecher Viktor Orbán. Der dann natürlich auch vollstreckt und zu einem entsprechend tatsächlich rechtsstaatlichen Prozess und Verurteilung führen würde. Funktioniert halt nicht im Kapitalismus mit seinen widerwärtigen, verbrecherischen, mörderischen, von »unseren« Herrschern in Exekutivmachtpositionen gespülten Schranzen.
- Antworten
Mehr aus: Ausland
-
Gewalt beenden
vom 04.04.2025 -
Hegemoniekampf um Syrien
vom 04.04.2025 -
Doppelte Täuschung
vom 04.04.2025 -
»Fortschrittlich« töten
vom 04.04.2025 -
NATO zielt Richtung Russland
vom 04.04.2025