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Aus: Ausgabe vom 04.04.2025, Seite 2 / Ausland
Krieg in Syrien

Hegemoniekampf um Syrien

Israel zerstört Flughafen in Homs. Türkei hatte dort Militärstützpunkt geplant
Von Nick Brauns
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Israelischer Panzer in der mittlerweile ebenfalls von Israel besetzten syrischen »Pufferzone« zu den annektierten Golanhöhen (21.12.2024)

Das syrische Außenministerium hat am Donnerstag die jüngsten israelischen Luftangriffe auf sein Land verurteilt. Die internationale Gemeinschaft wurde dazu aufgerufen, angesichts dieser »Verletzung des Völkerrechts und der Souveränität Syriens« Druck auf Israel auszuüben. In der Nacht zum Donnerstag hatten israelische Kampfflugzeuge neben einem Rüstungsforschungszentrum bei Damaskus den Militärflughafen von Hama sowie den Luftwaffenstützpunkt T-4 im Regierungsbezirk Homs vollständig zerstört. Dabei wurden Dutzende Zivilisten und Militärangehörige verletzt.

Die Regierung in Ankara – eine enge Verbündete der islamistischen Übergangsregierung von Präsident Ahmed Al-Scharaa in Damaskus – hatte geplant, den T-4-Flughafen in Zentralsyrien zu einer großen türkischen Militärbasis mit moderner Flugabwehr auszubauen. »Ich warnte den syrischen Staatschef Abu Mohammad Al-Dscholani«, erklärte Israels Verteidigungsminister Israel Katz unter Verwendung von Al-Scharaas früherem Al-Qaida-Kampfnamen am Donnerstag: »Wenn Sie feindlichen Kräften gestatten, nach Syrien einzudringen und die Sicherheitsinteressen Israels zu gefährden, werden Sie einen hohen Preis dafür zahlen.« Direkter wurde das israelische Armeeradio: Die Angriffe zielten darauf ab, »den türkischen Präsidenten Erdoğan zu warnen«.

Die Luftangriffe folgten auf ein Treffen zwischen dem Befehlshaber des US-Zentralkommandos, General Michael Kurilla, und dem israelischen Generalstabschef Eyal Zamir in Tel Aviv, bei dem es Berichten zufolge auch um die Begrenzung der türkischen Aktivitäten in Syrien ging. Zwischen den mit Washington verbündeten, aber untereinander konkurrierenden Regionalmächten Israel und Türkei ist seit dem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad ein Hegemoniekampf um Einfluss in Syrien entbrannt.

Ebenfalls in der Nacht auf Donnerstag drangen israelische Streitkräfte in der südsyrischen Region Deraa vor, um dort Munitionsdepots zu zerstören. Dabei kam es zu einem Gefecht mit Angehörigen einer aus der örtlichen sunnitisch-arabischen Bevölkerung gebildeten Widerstandsgruppe. Bei nachfolgenden israelischen Luft- und Artillerieangriffen wurden nach Angaben der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA zehn Menschen getötet und 37 verwundet.

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