Ohne doppelten Boden
Von Gisela Sonnenburg
Das mit den Buchstaben ist Zufall. Catfish Row heißt die Band, und Christian Raake ist sozusagen ihr Kopf. »CR« lauten die Initialen in beiden Fällen. Aber das ist, wie gesagt, Zufall. Ganz gezielt hingegen hat Hannes Zerbe, der Berliner Großmeister des Jazz, die drei Mitglieder von Catfish Row zu einem Auftritt in die Maigalerie der jungen Welt in Berlin-Mitte eingeladen. Am Dienstag abend ist es soweit: Catfish Row spielen für unsere Leserinnen und Leser in der Reihe »jW geht Jazz«, die Zerbe kuratiert.
Das Konzept des Trios, das seit zehn Jahren in dieser Formation auftritt, ist leicht verständlich: Bekannte Songs aus dem nostalgischen Jazzbereich – vor allem von George Gershwin und Duke Ellington – werden ganz neu präsentiert, indem sie für kleine Instrumentenbesetzungen arrangiert sind. Christian Raake, gebürtiger Berliner und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Flöte und in Saxophon ausgebildet, hat das richtige Händchen für solche Arrangements.
In seiner Heimarbeit entstehen die neuen Fassungen bekannter Stücke wie Gershwins »Summertime« oder der »Sacred Concerts« von Duke Ellington. Einstudiert werden sie dann im Probenraum von Dirk Steglich, der im Trio die Bassklarinette spielt. Bassklarinette? Sie ist ein eher selten gespieltes Instrument, und auch für Steglich war es eine Überraschung, als Raake ihn bat, den Part der Bassklarinette zu übernehmen. Studiert hat Steglich nämlich Saxophon, und zwar am Staatskonservatorium Würzburg.
Seit 1995 lebt Steglich, der aus dem Schwarzwald kommt, schon in Berlin als freischaffender Künstler und Pädagoge im Jazz- und Popbereich. Stück für Stück eignete er sich das Spiel auf der Bassklarinette an. Deren Klang harmoniert mit dem Tenorsaxophon, das Raake spielt. Mitunter greift der aber auch zur Flöte. Auch dazu passt der warme Klang der Bassklarinette.
Die Hauptattraktion bei Catfish Row ist allerdings weiblich: Anett Levander ließ sich in Berlin unter anderem bei Reggie Moore zur Jazz- und Popsängerin ausbilden – und sang schon bei der Formation Aquabella sowie bei den Tontauben. Von bitterem Ernst bis zur Parodie beherrscht ihre Stimme alle notwendigen Tonlagen. Als Ehefrau von Christian Raake ist sie, was die Auswahl und Arrangements der Songs angeht, mit prägend. Dennoch kommt es vor, dass sich bei den Proben noch einiges verschiebt oder schlicht geändert wird.
»Wir spielen ohne doppelten Boden, ohne viel technisches Equipment«, sagt Raake. Trotzdem klingt der Sound von Catfish Row voll und rund, was an den raffinierten Raakeschen Transpositionen liegt. Zur Harmonik hat er eine besondere Verbindung. Die hilft ihm auch bei seiner zweiten Beschäftigung, dem Unterrichten. Und die Pädagogik, sagt Raake, ist für ihn ebenfalls Berufung. Tatsächlich hat er eine eigene Methode entwickelt, um seinen Schützlingen an der Musikschule Béla Bartók im Einzelunterricht die Tonleitern rasch und intensiv nahezubringen.
Was ihn am Lehren fasziniert? »Man formt den ganzen Menschen mit. Unterrichten ist viel mehr, als nur ein Instrument zu vermitteln«, weiß Raake. Der Verantwortung sowohl als Künstler als auch als Lehrer ist er sich bewusst – und genießt sie.
Catfish Row am Dienstag, 4. März 2025, um 19.30 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) in der Maigalerie der jungen Welt, Torstraße 6, 10119 Berlin. Eintritt: 10 Euro (erm. 5 Euro), Anmeldung erbeten unter: 030/53 63 55-54 oder maigalerie@jungewelt.de
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