Die Heimatfront kriegstüchtig machen
Von Philip Tassev
Wer erfolgreich Krieg nach außen führen will, braucht Ruhe und Ordnung an der Heimatfront. Dafür soll künftig die sogenannte Heimatschutzdivision sorgen, die am Freitag in Berlin offiziell aufgestellt wurde. Beim Aufstellungsappell in der früheren Hermann-Göring-Kaserne, heute nach dem SPD-Reichstagsabgeordneten Julius Leber benannt, sprach auch der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck. Der einstige Pfarrer predigte einen grundlegenden und dauerhaften »Mentalitätswandel« der »Mitte der Gesellschaft« und forderte »bewaffnete Friedfertigkeit«.
Die Heimatschutzdivision ist der vierte Großverband des Feldheeres, aber ausschließlich für den Einsatz im Inneren vorgesehen. Ihr werden die aktuell 37 Heimatschutzkompanien und fünf -regimenter unterstellt, die bisher von den 16 Landeskommandos geführt wurden. Ein sechstes Heimatschutzregiment soll im April aufgestellt werden. Als erster Kommandeur ist Generalmajor Andreas Henne vorgesehen, der zuvor der stellvertretende Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos war. Geplante Truppenstärke: 6.000 Dienstposten, die hauptsächlich mit Reservisten besetzt werden. Sie sollen im Kriegsfall Verkehrswege, Depots, Stützpunkte, Kraftwerke und weitere »kritische Infrastruktur« bewachen, um so die Funktionsfähigkeit der »Drehscheibe« Deutschland zu gewährleisten.
Dazu zählt nicht zuletzt die Unterdrückung von möglichen Hungerrevolten und Antikriegsprotesten – eine Aufgabe, auf die Christoph Hübner, stellvertretender Abteilungsleiter Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz im Bundesinnenministerium, bei einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik am 21. Januar in bemerkenswerter Offenheit hinwies: »Die Polizeien werden im Spannungsfall schon alle Hände voll zu tun haben, weil nicht sicher ist, dass die Bevölkerung friedlich bleibt. Es kann zu Ausschreitungen kommen.« Dementsprechend wird bei Übungen regelmäßig auch das Vorgehen gegen streikende Arbeiter und Demonstranten trainiert – auch in Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (15. März 2025 um 12:33 Uhr)Eine wehrhafte Demokratie kann nur mit demokratischen Mitteln verteidigt werden. Alles andere ist nicht nur teuer, sondern auch kontraproduktiv. In einer funktionierenden Demokratie sollten genügend liberale Kräfte und Mechanismen vorhanden sein, um Bedrohungen abzuwehren und aus eigener Stärke heraus Widerstand zu leisten. Wenn dies nicht der Fall ist, dann handelt es sich nicht um eine echte Demokratie – und ein System mit undemokratischen Mitteln zu verteidigen, lohnt sich nicht, da unklar ist, wohin ein solcher Weg letztlich führt.
Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:
Mehr aus: Inland
-
»Dafür bin ich nicht Krankenpflegerin geworden«
vom 15.03.2025 -
Weiterhin zuviele Abgase
vom 15.03.2025 -
Noch knapper gescheitert
vom 15.03.2025 -
Ein Bärendienst für den Klimaschutz
vom 15.03.2025 -
Keine Butter aufs Brot
vom 15.03.2025 -
Risikoreiche Lebensmittel
vom 15.03.2025 -
»Der Wachdienst war einigermaßen machtlos«
vom 15.03.2025