Nächstes Massaker im Sudan
Von Ina Sembdner
Die Zeichen deuten auf eines der schlimmsten Massaker im fast zwei Jahre währenden Krieg in Sudan: Bei einem Luftangriff der sudanesischen Streitkräfte sollen am Montag abend Hunderte Zivilisten getötet worden sein. Kampfflugzeuge der Armee hätten einen »wahllosen Luftangriff« auf den Markt in Tora im Westen des Landes verübt und dabei ein »schreckliches Massaker angerichtet«, erklärte die Organisation Emergency Lawyers am Dienstag. Wegen der »hohen Zahl an Leichen« könne noch keine genaue Opferbilanz genannt werden, sagte ein Sprecher der Juristenorganisation, die sich die Dokumentation der Kriegsverbrechen zur Aufgabe gemacht hat, der Nachrichtenagentur AFP. Dutzende Menschen seien zudem bei dem Angriff verletzt worden.
In dem Krieg um die Macht in dem nordafrikanischen Land zwischen De-facto-Präsident Abdel Fattah Al-Burhan und seinem früheren Vize Mohammed Daglo, der die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) kontrolliert, wurden bereits unzählige Menschen getötet, Millionen sind vertrieben worden. Tora befindet sich nahe der westdarfurischen Regionalhauptstadt El-Fascher, die einzige im Westen des Landes, die noch nicht vollständig unter Kontrolle der Paramilitärs steht. Auch die RSF gaben laut AFP an, dass bei dem Luftangriff der Armee mehrere hundert Menschen getötet worden seien. Nachdem die Miliz lange Zeit auf dem Vormarsch zu sein schien, konnten Al-Burhans Streitkräfte in der vergangenen Woche symbolträchtig den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Khartum zurückerobern.
Den Millionen Menschen, die in weiten Teilen des Landes den Hungertod fürchten müssen, bringt dies allerdings keine Besserung – zumal auch der Armee und Al-Burhan schon vor dem aktuellen Luftangriff zahlreiche Kriegsverbrechen vorgeworfen wurden. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen beschuldigen darüber hinaus beide Seiten, die Versorgung der notleidenden Bevölkerung zu verhindern. Am Dienstag zitierte Reuters mehrere humanitäre Helfer, die anonym bleiben wollten, die angaben, dass die RSF seit Ende vergangenen Jahres die Arbeit der Organisationen weiter erschwere, indem sie mehr Geld verlangten und bürokratische Hürden erhöhten. Dies zeige einerseits den Versuch der RSF, sich weiter als politische Kraft zu legitimieren und andererseits den Versuch, militärische Rückschläge finanziell zu kompensieren – zum Schaden der Zivilbevölkerung.
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