Dein roter Faden in wirren Zeiten
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Leserbrief zum Artikel Parteien: Kommunisten in Not vom 25.08.2017:

KPD und Sozialfaschismus

Die hier landauf-, landab vertretene bürgerliche These, dass die KPD »maßgeblich« durch die Sozialfaschismusthese zur Spaltung und Lähmung der Arbeiterbewegung beitrug, macht sich in der jW schon abenteuerlich aus.
Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die blutige Niederschlagung von Arbeiteraufständen in Deutschland durch die rechten Führer der SPD Hand in Hand mit faschistischen Freicorps sind eine Tatsache und zeigen, wer die Spaltung der deutschen Arbeiterklasse vorantrieb. Die Blutspur der rechten sozialdemokratischen Führer ist immens. Ein grausamer Höhepunkt war das Massaker am 1. Mai 1929 in Berlin durch die Polizei, angeordnet vom sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Zörgiebel, mit mehr als 30 ermordeten Arbeitern. Unzählige Arbeiter wurden auf Hungermärschen und Protestdemonstrationen von der Polizei erschossen, totgeschlagen, ins Gefängnis geworfen und/oder zu Invaliden gemacht. Trotz dieser menschenverachtenden sozialdemokratischen Politik konnte Thälmann sehr wohl unterscheiden zwischen der reaktionären SPD Führung und den einfachen SPD Anhängern.
Immer wieder versuchte er mit seiner Politik eine Einheitsfront der Arbeiterklasse gegen Krieg und Faschismus herzustellen. Das Bemühen zeigt sich u. a. in der Gründung des Roten Frontkämpferbundes 1924 (mit einem großen Anteil von Nichtkommunisten) und der Antifaschistischen Aktion (Einheitskongress 10.7.32) zur Bildung einer Einheitsfront gegen den aufkommenden Faschismus.
Der Begriff »Sozialfaschismus« ist auch im wesentlichen vor diesem Hintergrund zu verstehen. Dieser Begriff wurde auch nicht in Deutschland geprägt, sondern 1924 von Sinowjew. Der Begriff Sozialfaschisten für die rechte SPD Führung, Nationalfaschisten für die Nazis wurde Anfang 1930 auf einer KPD-Präsidiumssitzung nochmals bestätigt. Teilnehmer an dieser Sitzung war übrigens Palmiro Togliatti. Man betrachtete die SPD und die NSDAP als Massenbasis der Monopolbourgeoisie und verzichtete auf eine gründliche Analyse der Faschismusbewegung. Es war eine undifferenzierte und falsche Einschätzung, die trotz etlicher Versuche Thälmanns bis 1933 nicht überwunden wurde. In der jungen KPD gab es die unterschiedlichsten Strömungen, auch gegen Ernst Thälmann. Für die SPD-Führung waren die Kommunisten »rote Faschisten«. Man schenkte sich also nichts in Fragen der Begrifflichkeiten.
Trotzdem war es einseitig die KPD, die sich bemühte, eine Einheitsfront der Arbeiterklasse gegen den Faschismus herzustellen. Die SPD-Führung verbot ihren Mitgliedern eine Zusammenarbeit mit der KPD. An der Basis funktionierte die Zusammenarbeit zwischen in der SPD und in der KPD organisierten Arbeitern jedoch immer besser. Jedoch, es war zu spät. Thälmann kämpfte bis zum Schluss für die Einheitsfront, auch gegen Sektierer in den eigenen Reihen.
Ein Flugblatt der mittlerweile illegalen Hamburger SPD von Ende 1933 bestätigt Thälmanns Wirken und Kampf für die Einheit: »Thälmann war kein Putschist, kein Anhänger des individuellen Terrors, sondern ein Sozialist, dem es auf geistige Auseinandersetzungen ankam. Wir haben es immer und sehnlichst von ganzem Herzen gewünscht, dass die von ihm verkündeten Worte für die Schaffung einheitlicher sozialistischer Aktionen Leben und Wirklichkeit geworden wären.«
Reinhardt Silbermann
Veröffentlicht in der jungen Welt am 26.08.2017.
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